Dienstag, 11. Januar 2022

Da schau an ...

Ich erhielt mit der Post eine Anfrage, ob mein Lieblingsblog zu verkaufen sei. 

Ach, genau ... mein Lieblingsblog ... Die URL eingegeben und meinen letzten Beitrag gelesen, über den Auszug meines Sohnes.
Das ist eine Weile her.
Er steht mittlerweile vor dem 1. Staatsexamen und ich arbeite weiterhin als Berufsvormund, habe aber kaum noch Flüchtlinge.
Bzw. gerade erst ganz frisch wieder, da ich immer wieder betone, dass ich mich gerne um Kinder mit Migrationshintergrund kümmere.

Tja, an den Kaufinteresssenten:
Danke für die Erinnerung an meinen Blog hier - ich hatte ihn irgendwie vergessen.
Aber ich merke gerade, dass ich ihn keinesfalls einfach weggeben, sondern lieber weiterhin benutzen möchte.

Sonntag, 3. September 2017

Die Sache mit der Mutterschaft

Ich habe fertig ...

Für alle, die gerade grübeln - Kind oder kein Kind?!
kann ich nur sagen: go for it!

Seit dem Vormittag bin ich durch mit der "aktiven Mutterschaft".
Und ich muss sagen, die Sache mit den Kinderwunsch war eine meiner besseren Ideen in diesem Leben.



Wenn die Kinder künftig herkommen, sind sie Gäste
(die bitteschön alle Geräte wieder richtig einstellen oder ans Laufen bringen - ich meine, die letzten 6 Monate ohne Fernsehprogramm waren so schlecht nicht und vielleicht bleibe ich einfach dabei, denn wirklich gefehlt hat mir nichts)
und werden von mir entsprechend gnadenlos verwöhnt.

Bei dem Töchterlein bin ich da schon in Übung, denn sie studiert ja schon geraume Zeit.
Und nun ist auch mein Sohn auf dem Weg in seine Uni-Stadt.

Und ja, Mutti flennt ein wenig herum.
Wie sagte mein Goldschatz gestern so nett:
Jetzt bist du keine Alleinerziehende mehr, sondern ... allein.

Ja, danke.

Wobei ich so alleinerziehend nie war, denn ich gehöre zu den modernen Frauen, die eine Beziehung/Ehe ohne Krieg verlassen und sich gerne sogar eine echte Freundschaft retten.
Mir geht eh nie so in den Kopf, wie man von Liebe zu Hass kommen kann/soll.
Wen ich mal liebe, den liebe ich.

Evtl. mache ich aus dem "liebe" später noch "mag" ... mal gucken, wie lange ich mich mit dieser Formulierung so wohlfühle

Und ganz ehrlich, ich war nie so die Übermutter.


Ich habe es unermüdlich versucht, eine tolle Mutter zu sein, aber meine eigenen Nerven und Unfähigkeiten haben sich der Helikoptermutter immer wieder heroisch in den Weg geworfen und meinen Kindern den nötigen Freiraum von Mutti besorgt, den sie wohl brauchten um die wundervollen Menschen
(jaja, ich bin technisch echt desinteressiert und brauche die beiden halt)
zu werden, die sie jetzt sind.

Und ich finde es grandios, dass die beiden jetzt erwachsen sind, ihre eigenen Entscheidungen treffen, ihre Wege gehen
(und diese oft zu mir führen).
Es ist sooo toll, nicht mehr über Impfen, ja oder nein?! nachzudenken, bei entdecktem Fehlverhalten zu grübeln, ob man die Entdeckung offiziell machen oder ignorieren soll und und und.
Brust oder Flasche?
Schreien lassen?
(Schreien lassen, wenn sie Teenager sind?)
Ich werde nicht 2 Minuten die Wäschegebirge vermissen, das Falten von Riesen-TShirts oder die Berge von Strümpfen, von denen man nie recht weiß, wer zu wem gehört.
Rechtzeitig das Essen auf den Tisch zu bringen ...

Ich habe fertig.

Und dennoch ... Mutti flennt ein wenig herum.

Nicht, weil die Kinder groß sind, sondern weil wieder ein Kapitel meines Lebens vorbei ist.

Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde mir langsam bewusst, dass ich wohl schon mehr als die Hälfte gelesen habe.
2/3? 3/4? 4/5? ...
Und was werden die nächsten Kapitel bringen?

Der letzte Herbst brachte schon mal einen Vorgeschmack auf Sterben, Krankheiten und Zipperlein.
Dank eines flüchtigen SUV-Fahrers lernte ich Dinge kennen, die gerne aus dem Manuskript gestrichen werden können.
Mein Aufprall auf eine Motorhaube setzte mich eine Weile außer Gefecht und jubelte mir kurzzeitig Vokabeln wie Arthritis, Ischias und Besuche bei der Krankengymnastik in die Seiten.

Mir ist sehr klar, dass ich kein Fan des Alters bin.
Als sich mir die Gelegenheit bot, griff ich mit beiden Händen zu und statt mich beruflich um alte, hilflose Menschen zu kümmern, buchte ich in letzter Sekunde um und wurde nicht zum Berufsbetreuer sondern Berufsvormund.
Mein Job endet nicht mit einer Beerdigung sondern ... yep ... Abschied von frisch Erwachsenen.
Oh, und ich liebe es!
Das Alter kommt noch früh genug ...

Auf die Art habe ich mir auch für mein nächstes Kapitel den Stoff gesichert, der mein Herz erfüllt.
Jugend, fremde Kulturen - und lacht ruhig, aber ich stehe halt auf Formulare, Anträge, Behörden und Stempel.
I speak Beamte fluently ...

Aber dennoch.
Ein dickes Kapitel ist abgeschlossen.
Keiner weiß, wie dick das nächste Kapitel ist.
Wie dick mein Buch ist ... und ob es eine Fortsetzung gibt.

Das ist es, was mich etwas sentimental macht.
Ich bin eine begeisterte Leserin ... bzw. ich liebe das Leben.

Freitag, 4. August 2017

Wirtschaftsflüchtlinge aus sicheren Herkunftsstaaten

Hallo Stammtisch ...

Es gibt da diese sehr feste Meinung, dass Wirtschaftsflüchtlinge aus sicheren Herkunftsstaaten "natürlich" abgeschoben gehören.
Kriegsflüchtlinge - das geht ja noch an, aber Wirtschaftsflüchtlinge!
Gern in einem Ton, als wäre von einer Kakerlakenplage die Rede.

Wirtschaftsflüchtlinge, das sind Menschen, die in Deutschland lernen und arbeiten möchten, da dies in ihren Herkunftsländern nicht oder nur sehr erschwert möglich ist.

Ich kenne da einen Wirtschaftsflüchtling, der vor einem Jahr nach Deutschland kam und mit einem derartigen Eifer Deutsch lernt, dass es gelang, ihn im Frühjahr noch in das bereits seit Monaten laufende 1. Ausbildungsjahr eines Gastronomieberufs zu stecken.

In dieser Branche werden übrigens händeringend Azubis gesucht.

Obwohl er mit seinen nun 15 Jahren der Jüngste in der Klasse ist und erst seit 11 Monaten Deutsch lernt, waren seine Noten tatsächlich gut genug um ihn in das 2. Ausbildungsjahr zu versetzen. (wir waren eigentlich davon ausgegangen, dass er das 1. Jahr wiederholen müsste ... muss er nicht)

Seine Lehrer loben ihn, seine Klassenkameraden mögen ihn, sein Arbeitgeber ist begeistert und sagt, dass er sich sehr gut macht.

Eigentlich sollte sein Beispiel als eine Erfolgsgeschichte durch die Medien gehen, oder?
Deutschland sollte sich über solche Zuwanderer freuen.

Leider hat er bei seiner Anhörung vollkommen ehrlich gesagt, dass er nach Deutschland kam um hier zu lernen und ein besseres Leben haben zu können. Ehrlichkeit ist ihm halt sehr wichtig.

Und nun nur mal so für Euch zum Nachdenken:

Menschen wie er werden aufgefordert, Deutschland innerhalb einer Woche zu verlassen und in den nächsten 30 Monaten auch keinesfalls wieder einzureisen.

Aus seinem "sicheren Herkunftsstaat" wurde aktuell nur einem einzigen Flüchtling Schutz in Deutschland gewährt.
Und zwar einem Mörder.
Die Familie des Mordopfers schwört Blutrache, dadurch ist er in seinem Heimatland in Lebensgefahr.

Mir wäre ja der Wirtschaftflüchtling als neuer Mitbewohner dieses Landes sehr viel lieber ...





Samstag, 15. Juli 2017

Afghanen essen Hündchen!

Nein, tun sie natürlich nicht ....

Aber:

Ich saß im Zimmer von 2 meiner Jungs und brütete über einem Formular, während der eine, frisch geduscht und sehr gut gelaunt, weil er gerade durch ein Praktikum einen Ausbildungsvertrag bekommen hatte, fröhlich mit mir zu plaudern begann.

Gestern habe ich Hündchen gegessen!

Hm ... WAS???

Gestern habe ich Hündchen gegessen!


Meine Hunde sind öfter mal Thema.
Afghanen sind erst einmal keine großen Hundefreunde.
Also, im Vergleich zu uns Deutschen.
Aber mit den Jahren der Flüchtlingsarbeit habe ich begriffen, dass wir Deutschen da auch eine leichte Macke haben.
Wenn man einen afghanischen Haushalt betritt, versteht man auch ganz gut, warum sie unsere Art, Tiere im Haus zu halten, leise befremdlich finden, denn sie lieben wunderschöne Teppichböden und sitzen auch ca. einen Meter tiefer als wir.
(also die paar Haushalte, die ich nun kenne - ich war leider noch nie in Afghanistan - und möchte dort auch nicht hin, so lange Krieg herrscht)
Also hielt ich es für sehr möglich, dass ich gerade mit den Hunden gefoppt wurde.
Aber nein, große, aufrichtige, braune Augen - kein Scherz.

Du hast Hündchen gegessen?

Ja! Matti (anderer Junge im Raum und natürlich habe ich hier seinen Namen verdreht) hat es gekocht.

Du hast ein Hündchen gekocht?

Ja!

Wau Wau???

Nein, Frau E.! Kein Hund! Ein Hündchen!

Einen kleinen Hund? Einen Welpen?

Nein! Huhn, ein Huhn!

Hüüüüüüüühnchen! Hüüüüühnchen! - kein D, Jungs!


Übrigens kochen sie allesamt sehr lecker.
Hin und wieder, wenn ich den Rückweg erst spät antreten kann, werde ich fürstlich bekocht.

Und natürlich - seit dieser Geschichte gern mit:


Lecker?

Ja, sehr!

Ist WauWau drin!


Da es meist Variationen von Reis und Bohnen gibt, falle ich eigentlich nie darauf herein.