Sonntag, 5. Juni 2022

Keto vegan (mit Käse)

 Heute Morgen habe ich mit meinem Sohn telefoniert und konnte sehen, wie sein Blick sich trübte, als Mutti ihm von ihren neuesten Ernährungs-Entdeckungen berichtete ... darum habe ich das Thema ganz schnell wieder fallenlassen und sabbel lieber meinen Blog zu ...

Auf meiner Suche nach der Ernährung, die zu mir und meinem Alltag passt, bin ich unterdessen bei Keto-Vegan gelandet. Wieder. Denn zu meine Überraschung fand ich gleich 1 (oder 2) Bücher zum Thema in meinem Bücherschrank.

Gestern habe ich also in dem Buch "Gesundheitsratgeber keto-vegane Ernährung" von Karina Haufe herumgeschmökert und fand den Hinweis, dass man seine Kohlenhydrate allmählich absenken soll, was ich zufällig über die letzten Jahre verteilt getan habe. Erst den Zucker, dann sämtliche Zuckerersatzmittel, dann Weizenmehl, Reis und Kartoffeln ...

Von einem Ernährungsratgeber zum nächsten kamen immer mehr interessante Kräuter, Körner/Samen und Gewürze in meine Küche und bei audible habe ich vermutlich jeden vernünftig/wissenschaftlich klingenden Ernährungsratgeber, der im Angebot ist. Lesen kann ich die eher nicht, da ich wieder mal ein Mordopfer und zig Verwicklungen brauche, um wirklich zu lesen ... 

Aber ich bin beruflich dauernd unterwegs - keine meiner Fahrten kann ich mit dem 9,- Euro Ticket bewältigen ... aber ich habe ein winziges Auto und fahre maximal 100 kmh um meine Kosten im Griff zu behalten. Ich frage mich immer, was die Leute verdienen müssen, die in dicken SUVs an mir vorbei rasen.

Äh ... genau ... Hörbücher - im Mai bin ich 3.000 km durch die Gegend gezuckelt und seit einer Weile begleitet mich dabei wieder Robert H. Lustig "Wie unser Essen uns krank macht"

Von Lustig stammt auch "die bittere Wahrheit über Zucker" Von meinen Lieblings-Ernährungswissenschaftlern ist er der, der sich eher an "verarbeiteten Lebensmitteln" stört, als dass er eine klare vegan - vegetarisch - sonstwas Richtung vertritt und damit erklärt sich vielleicht mein "mit Käse", obwohl er Käse nicht anpreist, da der ein verarbeitetes Milchprodukt ist.

Außerdem vergeudet er viel Buchzeit, sich über BigPharma, BigFood und nochwas aufzuregen. Ich lasse ihn dann reden und steige mental aus, bis es wieder interessanter wird.

Ich wünschte, Herr Lustig hätte einen konzentrierten Diabetes-Ratgeber geschrieben, denn es klingt immer wieder raus, dass er die Kenntnisse hätte, die ich gerne einmal pur und konzentriert ohne sein (durchaus berechtigtes) Geschimpfe auf die Food- und Pharma-Lobby zu Gehör bekäme.

Jedenfalls fand ich es latent ungerecht, dass ich in meiner Ernährung so viel umgestellt hatte und mein Arzt mir bei den quartalsmäßigen Untersuchungen nicht etwa verkündete, dass ich den Diabetes besiegt hatte, sondern im Gegenteil, nachdem es zweimal besser wurde, stieg der Wert beim 3. Mal wieder an.

Daher der Diätsensor am Arm. CGM heißt das, weiß ich jetzt - Continuous Glucose Monitoring 

Und das weiß ich, weil sich Herr Lustig über die Leute amüsiert, die diese Monitore nutzen, da in seinen Augen der Glukosewert nicht entscheidend ist, sondern der Insulinwert und ätsch, dafür gibt es noch keine praktischen Messmethoden.

Nun, ich bin mit dem Stöpsel sehr zufrieden und werde mir noch eine Lieferung aus dem Abo gönnen, um meinen Blutzucker besser kennenzulernen. Zum Beispiel habe ich mitbekommen, dass mein Blutzuckerspiegel lange vor dem 1. Kaffee aus dem grünen Bereich in den gelben Bereich steigt.

Googlen ergibt das "Dawn Syndrom" - Hormonausschüttungen lassen den Blutzucker steigen.

Mein Glaube, dass mein Blutzuckerspiegel alleine an meiner Ernährung hängt, war schon mal grundfalsch. 

Morgens also ein steiler Anstieg - Dawn Syndrom - irgendwo wird vorgeschlagen, abends eine Runde spazieren zu gehen - das werde ich heute ausprobieren. Mit Ratschlägen aus dem Internet bin ich sehr vorsichtig, aber ein Spaziergang kann nicht schaden.

Dann durfte ich erleben, dass beruflicher Stress, intensivere Diskussionen etc ähnlich wirken und in der vergangenen Woche habe ich mich bewusst aus 2 Stresssituationen herausgenommen, die meinen Mündeln keine Vorteile gebracht hätten. Ich bin sehr stolz auf mich.

Ich liebe meinen Job, aber ich behalte gut im Auge, ob ich für mein Mündel in die Schlacht ziehe, oder weil ich persönlich auf den Gegner anspringe.

Und ich gewann Zeit für das Hörbuch ... die mir das Aha-Erlebnis schenkte, weshalb mein Blutzucker nicht sank: meine geliebten Hülsenfrüchte!

Ja, sehr gesund - aber einen bereits erfolgreich eroberten Diabetes bekommt man - laut Robert Lustig - nur in den Griff, wenn man jahrelang auf Kohlenhydrate verzichtet.

Statt der angepeilten 100 Gramm Kohlenhydrate am Tag, sollen es 20 Gramm am Tag oder besser noch weniger  sein.

Heute waren es (bisher) 44 Gramm Kohlenhydrate. Aber immerhin waren 34,9 Gramm Ballaststoffe darunter und ich bin tatsächlich unter 25 Gramm Zucker geblieben. (nein, nicht das zugesetzte Zeug ...)

Meine Nährwertziele lauten 5% Kohlenhydrate, 25% Eiweiß und 80% Fett = 100% Kalorien.

Und das habe ich mir nicht selbst ausgedacht, sondern innerhalb der gleichen Woche von Robert Lustig gehört und bei Karina Haufe gelesen. Muss also etwas dran sein.

Jetzt habe ich mich viel mit gesunden Fetten beschäftigt und in Anlehnung an den Bullet Proof Coffee, rühre ich mir nun morgens einen dicken Löffel 100% Kokosnussöl in den Kaffee - mit gleich 2 Überraschungen:

es schmeckt mir 

ich bin satt

Überraschend, weil ich "satt" schon lange nur sehr selten erlebt habe und jetzt seit einigen Tagen eben regelmäßig. Und ich meine kein Völlegefühl, sondern wirklich "satt".

Es ist nicht so, als hätte ich zuvor noch nie von Keto oder LCHF oder so gehört oder es noch nicht ausprobiert. Es gibt viele gute Blogs dazu - vor Jahren sah ich "Sudda" beim Erschlanken zu. 

2009, wie ich gerade sehe.

Sudda schrieb super, mitreißend - allein, bei mir funktionierte die omnivore Keto-Variante nicht, weil sie mir maßlos vorkam. Nicht bei Sudda, sondern bei mir.

Ich bin anders erzogen - Brot zu verschmähen und lediglich den Belag zu essen ... ein Besuch bei meinem dement werdenden Väterchen beendete meinen LCHF Versuch abrupt, wobei ich nicht mehr zusammenbekomme, warum genau.

Irgendwie gab es eine Situation, in der der alte Mann, der im 2. Weltkrieg echten Hunger erleben musste, trockenes Brot essen wollte, da sein Fräulein Tochter das Brot verschmähte. Schwupps, habe ich es ihm entrissen und gegessen - oh, und es war köstlich.

Vermutlich neige nicht nur ich dazu, gescheiterte Diäten zu verdrängen, dass ich die Geschichte nicht mehr wirklich zusammenbekomme. Und das ist schade, denn all diese Versuche hätte ich nutzen sollen, mich wirklich kennenzulernen. Meine Bedürfnisse, meine Grenzen, meine Möglichkeiten.

Hätte, hätte, Fahrradkette ...

Der erste Schritt in die richtige Richtung war der Verzicht auf Zucker, denn der führte zu einem wachsenden Verzicht auf verarbeitete Lebensmittel. Mein erster Versuch, vom ungesunden Zucker wegzukommen war echt doof und dürfte mir meinen Diabetes eingehandelt haben (zusammen mit meiner Variante des Saftfastens)

Und zwar trank ich meinen Kaffee früher mit der guten Vollfettmilch direkt aus dem Tank des BioBauernhofs meiner Schwester - mit einem Teelöffel Zucker.

Wie viele, stieg ich auf Agavensirup um - reine Fruktose, wie ich heute weiß. Damals glaubte ich, eine gesunde Alternative zum Zucker gefunden zu haben. Doof, doof, doof.

Denn, da das Zeug ja Bio und gesund ist, nahm ich mehr und mehr - und ich trinke den ganzen Tag viel Kaffee. Dafür stieg ich auf fettarme Produkte um. Noch so ein Fehler, denn statt schlank zu werden, verlor ich mein Sättigungsgefühl.

Alle anderen nahmen super ab, nur ich wurde immer dicker.

Kennt das jemand?

Irgendwann fand ich mich mit "dick" ab und wurde prompt von "krank" überrascht.

Das finde und fand ich unglaublich unfair, denn wann immer ich so ein Intro lese, wie jemand dick/krank wurde, schüttel ich vehement den Kopf. Ich habe immer meistens selbst gekocht und sehr abwechslungsreich, denn ich habe die Fotos der Mahlzeiten dann gerne auf der Hausfrauenseite eingepflegt.

Aber ja, bei Stress half ein Eimerchen Ben & Jerrys sehr zuverlässig. So zuverlässig, dass ich Stress gar nicht mehr als solchen empfand, sondern einfach Lust auf die Kombination von Fett und Zucker bekam - und mir dann eben Eis und ähnliches "gönnte". 

Nachdem ich mir diese Kalorienbomben versagte und mich auf gesunde Lebensmittel umstellte, machten mich diese aber nicht satt. Abendliche Heißhungeranfälle wurden mein Mitbewohner.

So, und nun stehe ich einfach dazu:

abends bin ich ein irrer Suchtie! Und wenn hier irgendwo Süßes herumsteht - und sei es ein Glas Marmelade ... dann falle ich darüber her.

Wenn man aufhört Zeit damit zu vergeuden, sich selbst fertig zu machen, sondern solche Eigenheiten akzeptiert und Lösungen sucht, kann man übrigens auch Lösungen finden ...

Mein afghanischer Mitbewohner hat nun eine coole Alukiste mit Schlössern, die er völlig glücklich als Couchtisch benutzt - und darin seine Süßvorräte lagert.

Nach meinem letzten Raubzug durch sein Zimmer habe ich ihm in perfekter Opfer-Täter-Umkehr nämlich anklagend auf meinem Handy meinen außer Kontrolle geratenen Blutzuckerspiegel gezeigt und er hat sich tatsächlich dafür entschuldigt, dass ich ihm seinen Süßkram weggefressen habe. 

Das muss man auch erst einmal bringen ...

Ja, ich fresse Flüchtlingen die Schokolade weg!

(wobei er natürlich längst kein Flüchtling mehr ist ... )

Seit ich mich Keto immer weiter annähere, flacht nicht nur meine Glukosekurve ab, sondern auch mein Blutdruck. Klar, immer noch zu hoch ... aber für meine Verhältnisse ... heute Morgen lag er bei 144 - letzte Woche hatte ich den einen oder anderen Morgen, an dem ich völlig entspannt Werte über 200 hatte.

Ich bin gespannt, ob es so erfreulich weitergeht.

Gestern habe ich zB auch eine Bremsspur für Heißhunger gefunden: Kokosmilch mit 2,6 Gramm Kohlenhydraten












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