Donnerstag, 3. November 2016

Flüchtlinge lassen Frau und Kinder im Stich ...

Hach ja ...
Privat bin ich übrigens umgänglich.
Das heißt, es kommt durchaus vor, dass ich gemütlich mit besorgten Bürgern beim Kaffee sitze.

Neuen Bekannten sage ich immer kurz, dass ich übrigens in der Flüchtlingshilfe aktiv bin, bevor wir dann durch 1.000 andere Themen schlendern.
Am Wochenende sagte dann jemand, er fände es doof, wenn man alle Pegida-Anhänger immer gleich Nazi schimpfen würde.
Ich gab ihm fröhlich Recht, denn ich finde das völlig unnötig.
Nazi, Pegida, Reichsbürger, Depp ... für mich alles eine Kelle aus dem gleichen braunen Eintopf.
Und ja, diese Leute können natürlich allesamt sehr nett sein - immerhin bin ich blond, blauäugig, Mutti und in 5. Generation Deutsch ... da lernt man den braunen Eintopf von der leckeren Seite kennen und man hat auch immer die Wahl, Dinge zu überhören oder darauf anzuspringen.

Im Realleben mache ich das "gemäßigt".
Es hat keinen Sinn, den Leuten derart Meinung um die Ohren zu hauen, dass man dort nie wieder Kaffee bekommt - bzw. dass die einem gar nicht mehr zuhören.
Und dann muss ich ja zugeben, manche sind tatsächlich "besorgt".
In diesem Fall besorgt, weil ein Gebäude in der weiteren Nachbarschaft bald 360 Flüchtlinge beherbergen soll.
Da kann ich nur zustimmen:
das ist doof!
Auch für die 360 Flüchtlinge, die sicher nicht vorhatten mit 359 anderen irgendwo hinter den sieben Bergen bei den besorgten Bürgern in ein Wohnheim gestopft zu werden.
Und jetzt geht schön raus und integriert Euch ...

Sicher alles junge Männer, die Frau und Kinder im Stich lassen und dann hier
- jetzt kommt wahlweise "schmarotzen" oder "uns die Jobs wegnehmen"

Auf das Frau und Kinder im Stich lassen kann man vorsichtig einsteigen, denn viele haben einfach unsere Familienstrukturen vor Auge.
Die stellen sich vor, wie sie das Land verlassen und ihre Frau dann ganz allein mit ihren statistischen 1,5 Kindern in einer Wohnung sitzt und rechts und links fallen die Bomben vom Himmel.
Jedenfalls hatte ich das durchaus vor Augen und erst mit der Zeit begriff ich:
(Vorsicht, jetzt kommt eine grobe Verallgemeinerung!)
Ah, die haben gut 8 Geschwister und dort bringen sie Frau und Kinder unter, bevor sie sich auf den Weg machen!
Die Fluchtwege sind verdammt gefährlich und so sind die Männer vorgegangen, um ihre Familien dann auf sichereren Wegen nachzuholen.
Allerdings haben sie ihre Familie dann sicher bei ... Familie untergebracht.
Wir haben oft wundervolle Kommunikationsprobleme, weil Flüchtlinge gern jeden "Bruder" nennen.
Auch Leute, die lediglich aus dem gleichen Ort stammen - aber spätestens beim Asylantrag sehen wir dann, dass meist tatsächlich beneidenswert viele Brüder vorhanden sind.

Mittlerweile hat es sich auch ein wenig gewandelt.
Wir bekommen immer weniger junge Familienväter zu sehen.
Die Familien ermöglichen jetzt den jüngeren Männern die Flucht - werfen möglichst viel Geld für Schlepper zusammen.

Oh, oh, ich gerate wieder an den Punkt, wo ich mich darüber aufregen will, dass wir keine sicheren Fluchtwege und die Möglichkeit eines Asylantrags noch im Heimatland schaffen ... dann hätten wir kein "nur junge Männer" und auch tausende Todesopfer bei der Flucht wären unnötig.

Nein, alles was ich sagen wollte war:
nein, sie lassen ihre Frauen und Kinder nicht im Stich, sondern bringen sie bei der Familie unter, die dort aus sehr viel mehr Menschen besteht, als bei uns.

Mein Kaffeepartner war jedenfalls überrascht und einsichtig.
"Ach ja, da habe ich ja gar nicht drüber nachgedacht!"

Und nein, er ist jetzt kein Flüchtlingshelfer geworden, sondern noch immer wegen der neuen Nachbarschaft besorgt.

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