Freitag, 4. August 2017

Wirtschaftsflüchtlinge aus sicheren Herkunftsstaaten

Hallo Stammtisch ...

Es gibt da diese sehr feste Meinung, dass Wirtschaftsflüchtlinge aus sicheren Herkunftsstaaten "natürlich" abgeschoben gehören.
Kriegsflüchtlinge - das geht ja noch an, aber Wirtschaftsflüchtlinge!
Gern in einem Ton, als wäre von einer Kakerlakenplage die Rede.

Wirtschaftsflüchtlinge, das sind Menschen, die in Deutschland lernen und arbeiten möchten, da dies in ihren Herkunftsländern nicht oder nur sehr erschwert möglich ist.

Ich kenne da einen Wirtschaftsflüchtling, der vor einem Jahr nach Deutschland kam und mit einem derartigen Eifer Deutsch lernt, dass es gelang, ihn im Frühjahr noch in das bereits seit Monaten laufende 1. Ausbildungsjahr eines Gastronomieberufs zu stecken.

In dieser Branche werden übrigens händeringend Azubis gesucht.

Obwohl er mit seinen nun 15 Jahren der Jüngste in der Klasse ist und erst seit 11 Monaten Deutsch lernt, waren seine Noten tatsächlich gut genug um ihn in das 2. Ausbildungsjahr zu versetzen. (wir waren eigentlich davon ausgegangen, dass er das 1. Jahr wiederholen müsste ... muss er nicht)

Seine Lehrer loben ihn, seine Klassenkameraden mögen ihn, sein Arbeitgeber ist begeistert und sagt, dass er sich sehr gut macht.

Eigentlich sollte sein Beispiel als eine Erfolgsgeschichte durch die Medien gehen, oder?
Deutschland sollte sich über solche Zuwanderer freuen.

Leider hat er bei seiner Anhörung vollkommen ehrlich gesagt, dass er nach Deutschland kam um hier zu lernen und ein besseres Leben haben zu können. Ehrlichkeit ist ihm halt sehr wichtig.

Und nun nur mal so für Euch zum Nachdenken:

Menschen wie er werden aufgefordert, Deutschland innerhalb einer Woche zu verlassen und in den nächsten 30 Monaten auch keinesfalls wieder einzureisen.

Aus seinem "sicheren Herkunftsstaat" wurde aktuell nur einem einzigen Flüchtling Schutz in Deutschland gewährt.
Und zwar einem Mörder.
Die Familie des Mordopfers schwört Blutrache, dadurch ist er in seinem Heimatland in Lebensgefahr.

Mir wäre ja der Wirtschaftflüchtling als neuer Mitbewohner dieses Landes sehr viel lieber ...





Samstag, 15. Juli 2017

Afghanen essen Hündchen!

Nein, tun sie natürlich nicht ....

Aber:

Ich saß im Zimmer von 2 meiner Jungs und brütete über einem Formular, während der eine, frisch geduscht und sehr gut gelaunt, weil er gerade durch ein Praktikum einen Ausbildungsvertrag bekommen hatte, fröhlich mit mir zu plaudern begann.

Gestern habe ich Hündchen gegessen!

Hm ... WAS???

Gestern habe ich Hündchen gegessen!


Meine Hunde sind öfter mal Thema.
Afghanen sind erst einmal keine großen Hundefreunde.
Also, im Vergleich zu uns Deutschen.
Aber mit den Jahren der Flüchtlingsarbeit habe ich begriffen, dass wir Deutschen da auch eine leichte Macke haben.
Wenn man einen afghanischen Haushalt betritt, versteht man auch ganz gut, warum sie unsere Art, Tiere im Haus zu halten, leise befremdlich finden, denn sie lieben wunderschöne Teppichböden und sitzen auch ca. einen Meter tiefer als wir.
(also die paar Haushalte, die ich nun kenne - ich war leider noch nie in Afghanistan - und möchte dort auch nicht hin, so lange Krieg herrscht)
Also hielt ich es für sehr möglich, dass ich gerade mit den Hunden gefoppt wurde.
Aber nein, große, aufrichtige, braune Augen - kein Scherz.

Du hast Hündchen gegessen?

Ja! Matti (anderer Junge im Raum und natürlich habe ich hier seinen Namen verdreht) hat es gekocht.

Du hast ein Hündchen gekocht?

Ja!

Wau Wau???

Nein, Frau E.! Kein Hund! Ein Hündchen!

Einen kleinen Hund? Einen Welpen?

Nein! Huhn, ein Huhn!

Hüüüüüüüühnchen! Hüüüüühnchen! - kein D, Jungs!


Übrigens kochen sie allesamt sehr lecker.
Hin und wieder, wenn ich den Rückweg erst spät antreten kann, werde ich fürstlich bekocht.

Und natürlich - seit dieser Geschichte gern mit:


Lecker?

Ja, sehr!

Ist WauWau drin!


Da es meist Variationen von Reis und Bohnen gibt, falle ich eigentlich nie darauf herein.

Mittwoch, 17. Mai 2017

abgelehnter Asylantrag

Nachdem ich gerade einen wahren Marathon in Sachen Asylanhörungen hatte, füllt mir das BAMF jetzt mit gruseliger Beharrlichkeit den Briefkasten mit den scheußlich gelben Umschlägen (die man übrigens dringend aufbewahren muss), in denen sie dann erklären, warum der Flüchtling kein Flüchtling ist, bzw. sein Antrag auf Asyl, subsidären Schutz oder Flüchtlingsstatus abgelehnt ist.

Jeder Bescheid zieht für mich einen ganzen Rattenschwanz an eiliger Arbeit nach sich.
Und natürlich ein "wie sag ich es meinem Mündel".
Ein Freund tröstete mich "na, die müssen aber doch auch ganz schön was auf dem Kerbholz haben, dass sie abgeschoben werden!"
Darum mal wieder ein Eintrag im Blog, für die die es interessiert.
Also:
ein Asylantrag wird einzig deshalb abgelehnt, wenn der Flüchtling bei seiner Asylanhörung den Anhörer bzw. den Entscheider nicht davon überzeugen konnte, dass er individuelle Flucht- bzw. Asylgründe hat.
Das kann daran liegen, dass er keine Flucht- bzw. Asylgründe hat, wie das BAMF dann vermutet oder aber daran, dass der Flüchtling nicht vertieft über das sprechen möchte oder kann was passiert ist, oder dass das BAMF einen Iraner als Sprachmittler für einen Afghanen einsetzt und die beiden sich schlicht nicht (gut) verstanden haben.

Ob und wie sich der Flüchtling zwischenzeitlich in Deutschland integriert hat, steht auf einem völlig anderen Blatt.
Wer hier in Deutschland Mist baut, wird erst einmal nach deutschem Recht in Deutschland zur Rechenschaft gezogen.
Meine 3 abgelehnten Asylanträge betreffen allesamt Jungs, die ca 2015 kamen, in DAZ Klassen gesteckt wurden und gerade ihren Hauptschulabschluss machen.
In der Zwischenzeit haben sie Deutsch gelernt, in verschiedenen Betrieben ein Praktikum gemacht und Vorträge zum Thema Demokratie und Frauenrechte bekommen.
Nette Jungs, die in ca. 3,5 Jahren vollwertige Steuerzahler werden.
Mit EQJ (Einstiegsqualifizierung Jugendlicher) dauern ihre Ausbildungen meist 6 Monate länger, als die üblichen 3 Jahre.
Und nein, sie nehmen nicht den deutschen Jugendlichen die heiß begehrten Stellen weg, denn nach 2 Jahren Deutsch, wählt man besser einen Handwerksberuf, bei dem die Berufsschule nicht zu anspruchsvoll ist.

So mancher ehemals besorgter Bürger, schlägt nun die Hände über dem Kopf zusammen.
Warum sollen die denn abgeschoben werden?

Ja ...
Warum, könnte man nun auch fragen, haben nur die unter 18 Jährigen das Glück, umgehend in DAZ Klassen gesteckt zu werden?
Wer 18 ist, hat nämlich bereits 2 Jahre hinter sich, in denen er keinerlei Anspruch auf Deutschunterricht hatte, bis nun eine Entscheidung zu seinem Asylantrag kommt.
Wenn sein Flüchtlingsstatus bestätigt wurde, kann er nun mit dem Deutschunterricht beginnen, so er denn Platz in einem der Kurse findet.
Bis dahin blieben ihm nur die Ehrenämtler und ihre Deutschstunden.

Egal ... nicht zu weit abschweifen.
Natürlich nehmen wir es nicht einfach so hin, dass die Jungs nun aufgefordert wurden, innerhalb von 30 Tagen Deutschland zu verlassen, sondern stellen Anträge, legen Widersprüche ein, erheben Klage ... schinden Zeit
Erst jetzt wird es wichtig, ob und wie sich die Jungs integriert haben.
Je besser, desto mehr Möglichkeiten gibt es.
(und hier kommt es noch auf das jeweilige Bundesland an - ich glaube, in Bayern hätte ich bei gleicher Ausgangslage viel weniger Chancen. Bzw. meine Jungs)

Einer meinte ungläubig:
die geben mir Geld für Kleidung, stellen mir ein Zimmer, geben mir Nahrung, bringen mir Deutsch bei, lassen mich ein Praktikum nach dem anderen machen, zahlen mir ein Taschengeld, lassen mich Sport machen - und jetzt wo ich langsam etwas zurück geben könnte, schmeißen sie mich raus?

So isses!

Samstag, 8. April 2017

Wenn die Polizei zur Abschiebung klingelt ...

Neuerdings werden Abschiebungen nicht mehr angekündigt.
Neuerdings dürfen Abschiebungen nicht mehr angekündigt werden.
Irgendwann, gern mitten in der Nacht, damit keine Gutmenschen dabei stören, steht also die Polizei vor der Tür der Flüchtlinge, klingelt, klopft und verlangt lärmend Eintritt.

Nun der Funfact:
die müssen klopfen und klingeln - aber der Flüchtling muss nicht öffnen.
Man muss der Polizei die Tür öffnen, wenn sie einen Durchsuchungsbefehl hat - aber den bekommt sie nicht zum Zwecke einer Abschiebung.
Also kann der Flüchtling die Tür öffnen, muss es aber nicht tun und das sollten Helfer den Betroffenen im Vorfeld sagen.
Wer also Flüchtlinge kennt, die in einer Wohnung/Haus leben und nicht in Unterbringungen, sollte ihnen dieses Detail kommunizieren.

Statt die Tür völlig übernächtigt im Schlafanzug zu öffnen und sich damit in eine wirklich demütigende Situation zu begeben, können die Betroffenen zB Freunde anrufen oder sich erst einmal in Ruhe ankleiden.
So einem Pulk "Abschiebungs-Dienstleister" tritt man evtl. lieber gewaschen, frisiert und bekleidet entgegen.

Ob man sich durch eine verschlossen bleibende Tür nachhaltig einer Abschiebung entziehen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt, aber man kann die Situation für sich selbst etwas würdevoller gestalten.