Sonntag, 3. September 2017

Die Sache mit der Mutterschaft

Ich habe fertig ...

Für alle, die gerade grübeln - Kind oder kein Kind?!
kann ich nur sagen: go for it!

Seit dem Vormittag bin ich durch mit der "aktiven Mutterschaft".
Und ich muss sagen, die Sache mit den Kinderwunsch war eine meiner besseren Ideen in diesem Leben.



Wenn die Kinder künftig herkommen, sind sie Gäste
(die bitteschön alle Geräte wieder richtig einstellen oder ans Laufen bringen - ich meine, die letzten 6 Monate ohne Fernsehprogramm waren so schlecht nicht und vielleicht bleibe ich einfach dabei, denn wirklich gefehlt hat mir nichts)
und werden von mir entsprechend gnadenlos verwöhnt.

Bei dem Töchterlein bin ich da schon in Übung, denn sie studiert ja schon geraume Zeit.
Und nun ist auch mein Sohn auf dem Weg in seine Uni-Stadt.

Und ja, Mutti flennt ein wenig herum.
Wie sagte mein Goldschatz gestern so nett:
Jetzt bist du keine Alleinerziehende mehr, sondern ... allein.

Ja, danke.

Wobei ich so alleinerziehend nie war, denn ich gehöre zu den modernen Frauen, die eine Beziehung/Ehe ohne Krieg verlassen und sich gerne sogar eine echte Freundschaft retten.
Mir geht eh nie so in den Kopf, wie man von Liebe zu Hass kommen kann/soll.
Wen ich mal liebe, den liebe ich.

Evtl. mache ich aus dem "liebe" später noch "mag" ... mal gucken, wie lange ich mich mit dieser Formulierung so wohlfühle

Und ganz ehrlich, ich war nie so die Übermutter.


Ich habe es unermüdlich versucht, eine tolle Mutter zu sein, aber meine eigenen Nerven und Unfähigkeiten haben sich der Helikoptermutter immer wieder heroisch in den Weg geworfen und meinen Kindern den nötigen Freiraum von Mutti besorgt, den sie wohl brauchten um die wundervollen Menschen
(jaja, ich bin technisch echt desinteressiert und brauche die beiden halt)
zu werden, die sie jetzt sind.

Und ich finde es grandios, dass die beiden jetzt erwachsen sind, ihre eigenen Entscheidungen treffen, ihre Wege gehen
(und diese oft zu mir führen).
Es ist sooo toll, nicht mehr über Impfen, ja oder nein?! nachzudenken, bei entdecktem Fehlverhalten zu grübeln, ob man die Entdeckung offiziell machen oder ignorieren soll und und und.
Brust oder Flasche?
Schreien lassen?
(Schreien lassen, wenn sie Teenager sind?)
Ich werde nicht 2 Minuten die Wäschegebirge vermissen, das Falten von Riesen-TShirts oder die Berge von Strümpfen, von denen man nie recht weiß, wer zu wem gehört.
Rechtzeitig das Essen auf den Tisch zu bringen ...

Ich habe fertig.

Und dennoch ... Mutti flennt ein wenig herum.

Nicht, weil die Kinder groß sind, sondern weil wieder ein Kapitel meines Lebens vorbei ist.

Wenn mein Leben ein Buch wäre, würde mir langsam bewusst, dass ich wohl schon mehr als die Hälfte gelesen habe.
2/3? 3/4? 4/5? ...
Und was werden die nächsten Kapitel bringen?

Der letzte Herbst brachte schon mal einen Vorgeschmack auf Sterben, Krankheiten und Zipperlein.
Dank eines flüchtigen SUV-Fahrers lernte ich Dinge kennen, die gerne aus dem Manuskript gestrichen werden können.
Mein Aufprall auf eine Motorhaube setzte mich eine Weile außer Gefecht und jubelte mir kurzzeitig Vokabeln wie Arthritis, Ischias und Besuche bei der Krankengymnastik in die Seiten.

Mir ist sehr klar, dass ich kein Fan des Alters bin.
Als sich mir die Gelegenheit bot, griff ich mit beiden Händen zu und statt mich beruflich um alte, hilflose Menschen zu kümmern, buchte ich in letzter Sekunde um und wurde nicht zum Berufsbetreuer sondern Berufsvormund.
Mein Job endet nicht mit einer Beerdigung sondern ... yep ... Abschied von frisch Erwachsenen.
Oh, und ich liebe es!
Das Alter kommt noch früh genug ...

Auf die Art habe ich mir auch für mein nächstes Kapitel den Stoff gesichert, der mein Herz erfüllt.
Jugend, fremde Kulturen - und lacht ruhig, aber ich stehe halt auf Formulare, Anträge, Behörden und Stempel.
I speak Beamte fluently ...

Aber dennoch.
Ein dickes Kapitel ist abgeschlossen.
Keiner weiß, wie dick das nächste Kapitel ist.
Wie dick mein Buch ist ... und ob es eine Fortsetzung gibt.

Das ist es, was mich etwas sentimental macht.
Ich bin eine begeisterte Leserin ... bzw. ich liebe das Leben.

Freitag, 4. August 2017

Wirtschaftsflüchtlinge aus sicheren Herkunftsstaaten

Hallo Stammtisch ...

Es gibt da diese sehr feste Meinung, dass Wirtschaftsflüchtlinge aus sicheren Herkunftsstaaten "natürlich" abgeschoben gehören.
Kriegsflüchtlinge - das geht ja noch an, aber Wirtschaftsflüchtlinge!
Gern in einem Ton, als wäre von einer Kakerlakenplage die Rede.

Wirtschaftsflüchtlinge, das sind Menschen, die in Deutschland lernen und arbeiten möchten, da dies in ihren Herkunftsländern nicht oder nur sehr erschwert möglich ist.

Ich kenne da einen Wirtschaftsflüchtling, der vor einem Jahr nach Deutschland kam und mit einem derartigen Eifer Deutsch lernt, dass es gelang, ihn im Frühjahr noch in das bereits seit Monaten laufende 1. Ausbildungsjahr eines Gastronomieberufs zu stecken.

In dieser Branche werden übrigens händeringend Azubis gesucht.

Obwohl er mit seinen nun 15 Jahren der Jüngste in der Klasse ist und erst seit 11 Monaten Deutsch lernt, waren seine Noten tatsächlich gut genug um ihn in das 2. Ausbildungsjahr zu versetzen. (wir waren eigentlich davon ausgegangen, dass er das 1. Jahr wiederholen müsste ... muss er nicht)

Seine Lehrer loben ihn, seine Klassenkameraden mögen ihn, sein Arbeitgeber ist begeistert und sagt, dass er sich sehr gut macht.

Eigentlich sollte sein Beispiel als eine Erfolgsgeschichte durch die Medien gehen, oder?
Deutschland sollte sich über solche Zuwanderer freuen.

Leider hat er bei seiner Anhörung vollkommen ehrlich gesagt, dass er nach Deutschland kam um hier zu lernen und ein besseres Leben haben zu können. Ehrlichkeit ist ihm halt sehr wichtig.

Und nun nur mal so für Euch zum Nachdenken:

Menschen wie er werden aufgefordert, Deutschland innerhalb einer Woche zu verlassen und in den nächsten 30 Monaten auch keinesfalls wieder einzureisen.

Aus seinem "sicheren Herkunftsstaat" wurde aktuell nur einem einzigen Flüchtling Schutz in Deutschland gewährt.
Und zwar einem Mörder.
Die Familie des Mordopfers schwört Blutrache, dadurch ist er in seinem Heimatland in Lebensgefahr.

Mir wäre ja der Wirtschaftflüchtling als neuer Mitbewohner dieses Landes sehr viel lieber ...





Samstag, 15. Juli 2017

Afghanen essen Hündchen!

Nein, tun sie natürlich nicht ....

Aber:

Ich saß im Zimmer von 2 meiner Jungs und brütete über einem Formular, während der eine, frisch geduscht und sehr gut gelaunt, weil er gerade durch ein Praktikum einen Ausbildungsvertrag bekommen hatte, fröhlich mit mir zu plaudern begann.

Gestern habe ich Hündchen gegessen!

Hm ... WAS???

Gestern habe ich Hündchen gegessen!


Meine Hunde sind öfter mal Thema.
Afghanen sind erst einmal keine großen Hundefreunde.
Also, im Vergleich zu uns Deutschen.
Aber mit den Jahren der Flüchtlingsarbeit habe ich begriffen, dass wir Deutschen da auch eine leichte Macke haben.
Wenn man einen afghanischen Haushalt betritt, versteht man auch ganz gut, warum sie unsere Art, Tiere im Haus zu halten, leise befremdlich finden, denn sie lieben wunderschöne Teppichböden und sitzen auch ca. einen Meter tiefer als wir.
(also die paar Haushalte, die ich nun kenne - ich war leider noch nie in Afghanistan - und möchte dort auch nicht hin, so lange Krieg herrscht)
Also hielt ich es für sehr möglich, dass ich gerade mit den Hunden gefoppt wurde.
Aber nein, große, aufrichtige, braune Augen - kein Scherz.

Du hast Hündchen gegessen?

Ja! Matti (anderer Junge im Raum und natürlich habe ich hier seinen Namen verdreht) hat es gekocht.

Du hast ein Hündchen gekocht?

Ja!

Wau Wau???

Nein, Frau E.! Kein Hund! Ein Hündchen!

Einen kleinen Hund? Einen Welpen?

Nein! Huhn, ein Huhn!

Hüüüüüüüühnchen! Hüüüüühnchen! - kein D, Jungs!


Übrigens kochen sie allesamt sehr lecker.
Hin und wieder, wenn ich den Rückweg erst spät antreten kann, werde ich fürstlich bekocht.

Und natürlich - seit dieser Geschichte gern mit:


Lecker?

Ja, sehr!

Ist WauWau drin!


Da es meist Variationen von Reis und Bohnen gibt, falle ich eigentlich nie darauf herein.

Mittwoch, 17. Mai 2017

abgelehnter Asylantrag

Nachdem ich gerade einen wahren Marathon in Sachen Asylanhörungen hatte, füllt mir das BAMF jetzt mit gruseliger Beharrlichkeit den Briefkasten mit den scheußlich gelben Umschlägen (die man übrigens dringend aufbewahren muss), in denen sie dann erklären, warum der Flüchtling kein Flüchtling ist, bzw. sein Antrag auf Asyl, subsidären Schutz oder Flüchtlingsstatus abgelehnt ist.

Jeder Bescheid zieht für mich einen ganzen Rattenschwanz an eiliger Arbeit nach sich.
Und natürlich ein "wie sag ich es meinem Mündel".
Ein Freund tröstete mich "na, die müssen aber doch auch ganz schön was auf dem Kerbholz haben, dass sie abgeschoben werden!"
Darum mal wieder ein Eintrag im Blog, für die die es interessiert.
Also:
ein Asylantrag wird einzig deshalb abgelehnt, wenn der Flüchtling bei seiner Asylanhörung den Anhörer bzw. den Entscheider nicht davon überzeugen konnte, dass er individuelle Flucht- bzw. Asylgründe hat.
Das kann daran liegen, dass er keine Flucht- bzw. Asylgründe hat, wie das BAMF dann vermutet oder aber daran, dass der Flüchtling nicht vertieft über das sprechen möchte oder kann was passiert ist, oder dass das BAMF einen Iraner als Sprachmittler für einen Afghanen einsetzt und die beiden sich schlicht nicht (gut) verstanden haben.

Ob und wie sich der Flüchtling zwischenzeitlich in Deutschland integriert hat, steht auf einem völlig anderen Blatt.
Wer hier in Deutschland Mist baut, wird erst einmal nach deutschem Recht in Deutschland zur Rechenschaft gezogen.
Meine 3 abgelehnten Asylanträge betreffen allesamt Jungs, die ca 2015 kamen, in DAZ Klassen gesteckt wurden und gerade ihren Hauptschulabschluss machen.
In der Zwischenzeit haben sie Deutsch gelernt, in verschiedenen Betrieben ein Praktikum gemacht und Vorträge zum Thema Demokratie und Frauenrechte bekommen.
Nette Jungs, die in ca. 3,5 Jahren vollwertige Steuerzahler werden.
Mit EQJ (Einstiegsqualifizierung Jugendlicher) dauern ihre Ausbildungen meist 6 Monate länger, als die üblichen 3 Jahre.
Und nein, sie nehmen nicht den deutschen Jugendlichen die heiß begehrten Stellen weg, denn nach 2 Jahren Deutsch, wählt man besser einen Handwerksberuf, bei dem die Berufsschule nicht zu anspruchsvoll ist.

So mancher ehemals besorgter Bürger, schlägt nun die Hände über dem Kopf zusammen.
Warum sollen die denn abgeschoben werden?

Ja ...
Warum, könnte man nun auch fragen, haben nur die unter 18 Jährigen das Glück, umgehend in DAZ Klassen gesteckt zu werden?
Wer 18 ist, hat nämlich bereits 2 Jahre hinter sich, in denen er keinerlei Anspruch auf Deutschunterricht hatte, bis nun eine Entscheidung zu seinem Asylantrag kommt.
Wenn sein Flüchtlingsstatus bestätigt wurde, kann er nun mit dem Deutschunterricht beginnen, so er denn Platz in einem der Kurse findet.
Bis dahin blieben ihm nur die Ehrenämtler und ihre Deutschstunden.

Egal ... nicht zu weit abschweifen.
Natürlich nehmen wir es nicht einfach so hin, dass die Jungs nun aufgefordert wurden, innerhalb von 30 Tagen Deutschland zu verlassen, sondern stellen Anträge, legen Widersprüche ein, erheben Klage ... schinden Zeit
Erst jetzt wird es wichtig, ob und wie sich die Jungs integriert haben.
Je besser, desto mehr Möglichkeiten gibt es.
(und hier kommt es noch auf das jeweilige Bundesland an - ich glaube, in Bayern hätte ich bei gleicher Ausgangslage viel weniger Chancen. Bzw. meine Jungs)

Einer meinte ungläubig:
die geben mir Geld für Kleidung, stellen mir ein Zimmer, geben mir Nahrung, bringen mir Deutsch bei, lassen mich ein Praktikum nach dem anderen machen, zahlen mir ein Taschengeld, lassen mich Sport machen - und jetzt wo ich langsam etwas zurück geben könnte, schmeißen sie mich raus?

So isses!