Mittwoch, 17. Mai 2017

abgelehnter Asylantrag

Nachdem ich gerade einen wahren Marathon in Sachen Asylanhörungen hatte, füllt mir das BAMF jetzt mit gruseliger Beharrlichkeit den Briefkasten mit den scheußlich gelben Umschlägen (die man übrigens dringend aufbewahren muss), in denen sie dann erklären, warum der Flüchtling kein Flüchtling ist, bzw. sein Antrag auf Asyl, subsidären Schutz oder Flüchtlingsstatus abgelehnt ist.

Jeder Bescheid zieht für mich einen ganzen Rattenschwanz an eiliger Arbeit nach sich.
Und natürlich ein "wie sag ich es meinem Mündel".
Ein Freund tröstete mich "na, die müssen aber doch auch ganz schön was auf dem Kerbholz haben, dass sie abgeschoben werden!"
Darum mal wieder ein Eintrag im Blog, für die die es interessiert.
Also:
ein Asylantrag wird einzig deshalb abgelehnt, wenn der Flüchtling bei seiner Asylanhörung den Anhörer bzw. den Entscheider nicht davon überzeugen konnte, dass er individuelle Flucht- bzw. Asylgründe hat.
Das kann daran liegen, dass er keine Flucht- bzw. Asylgründe hat, wie das BAMF dann vermutet oder aber daran, dass der Flüchtling nicht vertieft über das sprechen möchte oder kann was passiert ist, oder dass das BAMF einen Iraner als Sprachmittler für einen Afghanen einsetzt und die beiden sich schlicht nicht (gut) verstanden haben.

Ob und wie sich der Flüchtling zwischenzeitlich in Deutschland integriert hat, steht auf einem völlig anderen Blatt.
Wer hier in Deutschland Mist baut, wird erst einmal nach deutschem Recht in Deutschland zur Rechenschaft gezogen.
Meine 3 abgelehnten Asylanträge betreffen allesamt Jungs, die ca 2015 kamen, in DAZ Klassen gesteckt wurden und gerade ihren Hauptschulabschluss machen.
In der Zwischenzeit haben sie Deutsch gelernt, in verschiedenen Betrieben ein Praktikum gemacht und Vorträge zum Thema Demokratie und Frauenrechte bekommen.
Nette Jungs, die in ca. 3,5 Jahren vollwertige Steuerzahler werden.
Mit EQJ (Einstiegsqualifizierung Jugendlicher) dauern ihre Ausbildungen meist 6 Monate länger, als die üblichen 3 Jahre.
Und nein, sie nehmen nicht den deutschen Jugendlichen die heiß begehrten Stellen weg, denn nach 2 Jahren Deutsch, wählt man besser einen Handwerksberuf, bei dem die Berufsschule nicht zu anspruchsvoll ist.

So mancher ehemals besorgter Bürger, schlägt nun die Hände über dem Kopf zusammen.
Warum sollen die denn abgeschoben werden?

Ja ...
Warum, könnte man nun auch fragen, haben nur die unter 18 Jährigen das Glück, umgehend in DAZ Klassen gesteckt zu werden?
Wer 18 ist, hat nämlich bereits 2 Jahre hinter sich, in denen er keinerlei Anspruch auf Deutschunterricht hatte, bis nun eine Entscheidung zu seinem Asylantrag kommt.
Wenn sein Flüchtlingsstatus bestätigt wurde, kann er nun mit dem Deutschunterricht beginnen, so er denn Platz in einem der Kurse findet.
Bis dahin blieben ihm nur die Ehrenämtler und ihre Deutschstunden.

Egal ... nicht zu weit abschweifen.
Natürlich nehmen wir es nicht einfach so hin, dass die Jungs nun aufgefordert wurden, innerhalb von 30 Tagen Deutschland zu verlassen, sondern stellen Anträge, legen Widersprüche ein, erheben Klage ... schinden Zeit
Erst jetzt wird es wichtig, ob und wie sich die Jungs integriert haben.
Je besser, desto mehr Möglichkeiten gibt es.
(und hier kommt es noch auf das jeweilige Bundesland an - ich glaube, in Bayern hätte ich bei gleicher Ausgangslage viel weniger Chancen. Bzw. meine Jungs)

Einer meinte ungläubig:
die geben mir Geld für Kleidung, stellen mir ein Zimmer, geben mir Nahrung, bringen mir Deutsch bei, lassen mich ein Praktikum nach dem anderen machen, zahlen mir ein Taschengeld, lassen mich Sport machen - und jetzt wo ich langsam etwas zurück geben könnte, schmeißen sie mich raus?

So isses!

Samstag, 8. April 2017

Wenn die Polizei zur Abschiebung klingelt ...

Neuerdings werden Abschiebungen nicht mehr angekündigt.
Neuerdings dürfen Abschiebungen nicht mehr angekündigt werden.
Irgendwann, gern mitten in der Nacht, damit keine Gutmenschen dabei stören, steht also die Polizei vor der Tür der Flüchtlinge, klingelt, klopft und verlangt lärmend Eintritt.

Nun der Funfact:
die müssen klopfen und klingeln - aber der Flüchtling muss nicht öffnen.
Man muss der Polizei die Tür öffnen, wenn sie einen Durchsuchungsbefehl hat - aber den bekommt sie nicht zum Zwecke einer Abschiebung.
Also kann der Flüchtling die Tür öffnen, muss es aber nicht tun und das sollten Helfer den Betroffenen im Vorfeld sagen.
Wer also Flüchtlinge kennt, die in einer Wohnung/Haus leben und nicht in Unterbringungen, sollte ihnen dieses Detail kommunizieren.

Statt die Tür völlig übernächtigt im Schlafanzug zu öffnen und sich damit in eine wirklich demütigende Situation zu begeben, können die Betroffenen zB Freunde anrufen oder sich erst einmal in Ruhe ankleiden.
So einem Pulk "Abschiebungs-Dienstleister" tritt man evtl. lieber gewaschen, frisiert und bekleidet entgegen.

Ob man sich durch eine verschlossen bleibende Tür nachhaltig einer Abschiebung entziehen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt, aber man kann die Situation für sich selbst etwas würdevoller gestalten.

Freitag, 3. Februar 2017

Deutsch ist Amtssprache!

Seit 2 Tagen wühle ich mich durch ein Formular.
Mittlerweile wühle ich mich übrigens beruflich durch Formulare.
Bin also mittlerweile ein bezahlter Gutmensch.
Das finde ich echt prima!

Aber dieses Formular ist noch Hobby, denn es ist das Formular das der Schwager eines ExMündels bekam.
Um Kindergeld zu beantragen.
Wir haben nun mittlerweile fast alle Dokumente zusammen, die dafür nötig sind.
Nur: ein Dokument gibt es einfach nicht.
Das jüngste Kind kam nämlich etwas überraschend auf die Welt.
Nach einem Autounfall während der Flucht - bei Regen in einem Wald noch nicht ganz in Deutschland.
Was dann fehlt, ist eine Geburtsurkunde.
Das Kind hat aber mittlerweile einen Pass.
Nun wollte ich gern telefonisch klären, ob eine Kopie des Passes für den Antrag ausreicht.
Nach ein paar Runden durch die Warteschleife erreichte ich einen Sachbearbeiter.

Ich nannte ihm das Aktenzeichen und erfuhr von ihm, dass er mit "dem Betreffenden" selbst sprechen müsste.
"Können Sie englisch?", fragte ich freundlich und bekam ein "die Amtssprache ist deutsch!" zur Antwort.
Also eigentlich ein

die Amtssprache ist DEUTSCH!

Ich wollte schon strammstehen ...
Aber ok, ich stellte das Telefon laut und reichte das Telefon "dem Betreffenden", der todesmutig ranging.
Die Frage nach seinem Namen konnte er locker beantworten.
Bei der Frage nach seinem Vornamen wiederholte er schlicht seinen kompletten Namen.
Auch den Wohnort bekamen wir hin.
Was dann kam, werde ich künftig mit allen üben (bzw. wir haben es danach auch gleich geübt ...)
"Ihr Geburtsdatum!"
"Moment", sagte der Betreffende und nahm seinen Pass aus seiner Tasche.
Was macht er da?, grübelte ich leise.
Der Betreffende blätterte in seinem Pass und las vor:
2 ... 3 ... 1 ... 1 ...
Mein ExMündel kicherte auch und sagte zu seinem Schwager: Dreiundzwanzig November!
1980 ... war dann noch so eine Geschichte für sich.
Und überhaupt nenne ich hier auch nicht das tatsächliche Geburtsdatum :)

Nachdem das geschafft war, forderte ihn der Sachbearbeiter auf, ihm wieder "diese Frau da!" zu geben.
(weshalb ich zu Beginn immer die Namen meiner Gesprächspartner notiere ...)

"Eigentlich darf ich das so nicht akzeptieren", teilte mir der nette Sachbearbeiter mit.
Daraufhin teilte ich ihm mit, dass der Integrationskurs des Betreffenden erst nächste Woche beginnt und er, weil er eben noch kaum Deutsch kann ja für einen ... Dolmetscher gesorgt hat.
Sie sprechen afghanisch???, fragt er mich prompt.
Dari, verbessere ich ihn.
In Afghanistan spricht man Dari, persisch oder paschtu.
Bzw. deren Persisch heißt Dari?
Mein Wissen über Afghanistan ist begrenzt und natürlich spreche ich weder Paschtu, Dari, Persisch ...
Nö, aber ich spreche "Formulardeutsch" - sehr hilfreich ...

Uuuuuund so kommen wir auch ans Ziel.
Ich darf statt einer Geburtsurkunde eine Passkopie beilegen, wenn ich eine Erklärung anhefte, weshalb es keine Geburtsurkunde gibt. Und sehr hilfreich, ich kann auch gleich ein "nach telefonischer Rücksprache mit Herrn ... am ... " dazu setzen.

Danach haben wir dann bei einer frischen Tasse Kaffe die Geburtsdaten der ganzen Familie geübt, wobei die Töchter ihre schon fließend konnten.
Ich gebe zu, es wirkt tatsächlich ein wenig befremdlich, wenn jemand sein Geburtsdatum mühsam nachschlagen muss.
"Meine Afghanen" können das jetzt fließend.
Mit "Neunzehnhundertirgendwas"!
Das eigene Geburtsdatum in Deutsch ist übrigens keine reine Übersetzungssache.
Von unseren Jahreszahlen muss man 621 abziehen, um auf den gregorianischen Kalender zu kommen.

Ach, guckt mal hier:
afghanischer Kalender
Da findet Ihr den Kalender von 2014 - bzw. 1393

Übrigens:

trotz seines spröden Charmes, war der Sachbearbeiter sehr hilfreich!
Immerhin haben wir den Antrag nun "eintüten" können und ich weiß, welches Telefondeutsch ich mit kommenden "Betreffenden" vor dem nächsten Telefonat üben muss.
Es ist kein Fehler, seinen Namen, Wohnort, Geburtsdatum auf Deutsch Telefon-verständlich nennen zu können.
Und wenn das eine Vorgabe von Amts wegen ist, dann ist das so.

Wie sagt der Dschungelkönig so schön:
die Rägels sind die Rägels!





Donnerstag, 12. Januar 2017

Eben bei den Flüchtlingen - Mütter sind so peinlich!

"Meine Mutter wünscht dir, dass deine Tochter viel Erfolg im Studium hat!",
übersetzt eine 15Jährige mir das, was ihre Mutter gerade gesagt hat.
Die Mutter spricht weiter.
Und etwas ratlos fügt der Teenie an "sie möge den Doktor machen!"
Ungewöhnlich, denke ich, da mir die Mütter sonst immer eher Enkelkinder wünschen, und dass sich meine Tochter zuvor gut vermählt.
Außerdem wünschen sie mir gern einen Ehemann und bedauern mich leise, weil ich nur 2 Kinder habe.
Und jetzt wünscht mir jemand, dass meine Tochter mit viel Erfolg studiert.
Ich lächle die Mama freundlich an, die Mama lächelt freundlich zurück und zeigt Gesten, wie ein Ring auf den Ringfinger gesetzt wird und dann einen dicken Babybauch.
Ich grinse unsere junge, schummelnde Dolmetscherin an, die peinlich berührt
"Oh, Mama ..." seufzt.

Eines ist international:
Mütter sind peinlich!
(zumindest die Guten :)