Mittwoch, 2. Dezember 2015

Bettelbriefe der Kirchen und Diakonien - armer kleiner Tim mit dreckiger Matratze

Gerade fische ich einen Brief aus dem Briefkasten.
Von der Diakonie Schleswig-Holstein.
Und lese die wahrhaft traurige Geschichte vom kleinen Tim.
Er ist acht und geht ungern schlafen.
Kein Wunder, seine Matratze ist dreckig und verschimmelt.
Und seine alleinerziehende Mutter putzt und putzt in fremden Haushalten und kann sich doch keine neue Matratze für den kleinen Tim leisten.
Man möchte heulen.
Oder kotzen!

Denn diese herzzerreißende Geschichte schreibt mir eines der größten Unternehmen, Bauherren und Grundbesitzer.
Das Kapitalvermögen der 20 evangelischen Landeskirchen und der 22 katholischen Diözesen beträgt rund sechs Milliarden Mark.
Und darin sind die unermeßlichen Kunstschätze in Kirchen und Museen noch nicht einmal enthalten.
Auch das Vermögen in der Diakonie, Mission und Diaspora (ebenfalls etwa sechs Milliarden Mark) nicht.

Die Kirchen verfügen über Banken und Versicherungen, über Häuser und Aktien.
Sie stützen sich auf ein Presseimperium, das auflagenstärker als Axel Springers Meinungsfabrik ist.

Könnt Ihr so wörtlich in diesem Spiegel-Artikel von 1969 nachlesen.
Und was meint Ihr, welches Vermögen die lieben Kirchen mittlerweile haben?
Der Politologe Carsten Frerk schätzte 2013, dass es 435 Milliarden Euro sind.
150 Milliarden in Geld und Aktien, 220 Milliarden in Immobilien (ohne Kirchen) und 65 Milliarden in Stiftungen und anderen Vermögenstiteln.

Das ganze Jahr über, ist mir das relativ schnuppe.
Meine Kirche ist das schon lange nicht mehr.

Aber einmal im Jahr, wenn diese Bettelbriefe kommen, frage ich mich doch:
Wie kann man nur so viel Geld an sich raffen, ohne es für die Tims der Welt auszugeben.
Wie kann man sich hinsetzen und so eine Tim-Geschichte niederschreiben und dabei 150 Milliarden Euro auf den Konten behalten?
Könnt Ihr Euch Jesus mit einem derartig dicken Konto vorstellen?
Einen Jesus, der von den kleinen Tims dieser Welt und ihren dreckigen Matratzen weiß und nicht zur Bank geht und seine Konten auflöst, sondern für einiges Geld solche Bettelbriefe schreibt?

Jesus hat sich für uns kreuzigen lassen
die Kirchenleute lassen sich lieber goldene Wasserhähne in ihre Prunkpalaste bauen ...

So lange die Kirchen ihre dicken Konten behalten, ist das nicht meine Kirche, was ganz bestimmt nicht heißt, dass ich nicht gläubig bin oder mich die kleinen Tims dieser Welt kalt lassen.

Vielen Dank für die Adressaufkleber, aber mein Geld bekommen andere Organisationen.

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