Dienstag, 21. April 2015

Was ist eigentlich ein Schlepper?

Wer im Internet danach recherchiert, was ein Schlepper ist, erfährt dass dies ein kleines Boot ist, das ein großes Boot zieht.
Oder ein Traktor.
Oder skrupellose Menschenhändler.
Mich hat interessiert, wie die Schlepper immer von Bord gehen können.
Liest man immer wieder:
die Schlepper gingen von Bord und überließen die Flüchtlinge sich selbst.
Im Flüchtlingscafe fragen wir die Flüchtlinge nicht aus.
Es gibt da "Dublin III" und den wundersamen Umstand, dass Flüchtlinge, sofern sie über ein sicheres Drittland eingereist sind, in dieses Drittland zurückgeschickt werden. Ein Blick auf die Landkarte und die Erkenntnis:
Deutschland ist von sicheren Drittländern umzingelt
Niemand, der hier einen Asylantrag stellt, möchte sich all zu intensiv dazu äußern, wie er nach Deutschland gelangte.
Insbesondere, da zB Bulgarien als sicheres Drittland gilt.
Die Bulgaren sind nette Menschen - ich kenne ausgesprochen nette Bulgaren und die Erlebnisse der Flüchtlinge in Bulgarien kenne ich nur aus 2. Hand oder 3. wenn man dann noch denjenigen dazu rechnet, der gerade übersetzt.
Als Flüchtling landet man in Bulgarien schnell im Gefängnis, es werden einem die Papiere abgenommen und wenn man sie zurück haben möchte, muss man seine Fingerabdrücke nehmen lassen.
Danach kommen dann Erlebnisse, die dazu führen, dass die Flucht möglichst bald fortgesetzt wird.
Wer hier als Flüchtlingspate fungiert und von "seinen Flüchtlingen" erfährt, dass sie irgendwo in "Nicht-Deutschland" Fingerabdrücke hinterlassen mussten, der suche bitte umgehend einen Anwalt, der sich mit Asylrecht auskennt für "seinen Flüchtling". Für die Erstberatung gibt es Unterstützung vom Sozialamt.
Bitte erst abklären, damit keine Anwaltsrechnung entsteht, für die keiner aufkommen möchte.
Diese Erstberatung sollte stattfinden, noch bevor hier in Briefform Konsequenzen wegen der "Fingerabdrücke irgendwo" angekündigt werden, da dann die Zeit knapp werden könnte.
So kann besagter Anwalt schon mal die Unterlagen anfordern und schauen, was er tun kann.
Bitte nicht irgendeinen Anwalt aufsuchen - erkundigt Euch beim Flüchtlingsrat nach geeigneten Ansprechpartnern.
Ok, das war jetzt aus dem Nähkästchen ...

Zurück zum Schlepper - und ich spare mir jetzt den Hinweis, dass es also in Ordnung ist und kein Anwalt im Knast landet, wenn er Geld am Erhalt des Flucht-Status-Quos des Flüchtlings verdienen möchte.
So ein Anwalt ist KEIN Schlepper.

Ansonsten ist aber jeder ein Schlepper, der einem Flüchtling auf der Flucht hilft.
Stellen wir uns mal so ein Drama vor, wie "Großfeuer in der Disko".
Jeder versteht, dass Menschen bei einem Feuer aus so einer Disko raus wollen.
Mit Glück, hat diese Disko viele Ausgänge und die Menschen rennen also einfach raus und sind in Sicherheit.
Wer nun noch die Nerven hat, 2, 3 oder mehr Menschen bei der Flucht zu helfen, ist ein Held.

In größeren Dimensionen gesehen, möchten wir in Europa aber nicht, dass diese Menschen zu uns fliehen.
Wie die schon aussehen, in ihren Disko-Klamotten - die passen nicht zu uns und wollen nur unser Geld.
Also haben wir akribisch damit begonnen, die Notausgänge zu vernageln.
Jetzt wird es schon schwieriger, zu fliehen - man braucht nun Menschen, die einem den Weg zeigen oder gar passende Fahrzeuge haben.
Als damals Menschen aus der DDR zu uns kamen, nannte man die Fahrer der Fahrzeuge, Fluchthelfer.
Bezahlt wurden die übrigens auch.

Ich glaube, der Unterschied zwischen Fluchthelfer und Schlepper liegt in Sprache, Hautfarbe und Religion der Flüchtlinge begründet. Man findet es nirgendwo genau definiert, aber ich vermute mal, wer einem Deutschen bei der Flucht hilft, ist ein Fluchthelfer und wer einem Syrer bei der Flucht hilft, ist ein Schlepper.

So, und wenn wir jetzt ein großes Boot voller Syrer haben, die ihr Recht wahrnehmen wollen, Asyl zu beantragen, dann ist immer der der Schlepper, der das Schiff steuert.
Ein mir unbekannter Araber - ich meine, die sehen ja alle gleich aus und verstehen kann man die auch nicht ... - erzählte also einem anderen Araber, der Deutsch kann, dass auf ihrem Schiff derjenige am Steuer machte, dass er sich zu allen anderen Flüchtlingen begab, als sich ein weiteres Schiff näherte.
Das ist der Moment, in dem der Schlepper das Boot verlässt ... sozusagen.

Pech, wenn es jetzt irgendwie Probleme gibt und sich irgendwer genötigt sieht, doch noch mal - laienhaft gesagt - zu steuern, denn *zack* ist er jetzt der böse Schlepper.
Ist wie "schwarzer Peter" und endet im Knast.

Ich bin gespannt, ob es später Filme geben wird, wie zB "Schindlers Liste", in dem dann Fluchthelfer/Schlepper ein wenig verklärt dargestellt werden, die dieser Tage besonders vielen Syrern bei ihrer Flucht geholfen haben.

1 Kommentar:

  1. Coole Idee: Ein Neujahrempfang kurz vor Ostern ;-)
    Und eine schöne Ansprache!

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