Montag, 10. Juni 2013

Sachspenden

Nach dem Hochwasser schwappt nun die Welle der Hilfsbereitschaft in Form von Sachspenden auf die betroffenen Gebiete zu und ich sehe da sehr viel Altkleider und Sperrmüll vor mir.
Vor- oder Nachteil meines Alters ... man hat alles schon mal erlebt und mitgemacht.
So habe ich auch einige Zeit unsere Garage zu einer Sachspenden-Sammelstelle umfunktioniert und das Gute in meinen Mitmenschen so nah kennengelernt, dass ich lieber niemals darauf angewiesen sein möchte.
Die ersten Kartons nahm ich noch arglos dankend an und packte sie erst später aus.
Böser Fehler.
Obwohl wir damals genaue Listen der Dinge erstellt hatten, die gebraucht werden, befand sich in den Kartons anderes.
Ich zahlte Lehrgeld, indem ich das andere zum Abfallhof brachte und für die Entsorgung zahlen musste.
Künftig öffnete ich die Kartons bevor ich sie annahm.
Wir suchten zB saubere Winterkleidung, Decken, feste Schuhe, bestimmte Medikamente, Verbandsmaterial, Zelte.
Ich glaube, das war es.
Eine Dame lieferte bei mir einen Sack voller verschmutzter Sommerkleidung, Pumps und Riemchensandalen ab, ich bekam defekte Elektrogeräte, einen Rasenmäher, ein Fahrradgestell, ein aufblasbares Gästebett (sichtbar defekt), mehrfach Lebensmittel die über ihre Haltbarkeit hinweg waren.
Gelegentlich war es nicht ganz so einfach, freundlich aber bestimmt diese "Hilfe" abzulehnen.

Ja, wer den Schaden hat, soll sich über den Sperrmüll anderer gefälligst freuen.
Diese Welle der Hilfsbereitschaft - alter Zyniker der ich nach Monaten mit Sachspenden-Sammlungen wurde, besteht in meinen Augen zu gut 80% aus Leuten, die schlicht das Geld der Abfallentsorgung sparen und auch noch als Helden gefeiert werden wollen.
Eine Dame brachte mir zB einen Karton unsortierter Kleidung, in der wohl ihre Katze ganze Generationen von Nachwuchs bekommen hatte und war der irrigen Meinung, "ich solle froh sein, wenn ich überhaupt etwas bekäme".
Unser Nachbar war dann so nett, ihr Auto zu blockieren, bis sie ihren Karton laut schimpfend wieder in den Kofferraum stellte und verschwand.

Ok, es gab auch einsichtige unter den Sperrmüllbringern, die noch einmal kamen und dann Sinnvolles brachten.
Ach, am liebsten war mir dann aber die Frau, die so einsichtig war und sich ebenfalls als Sammelstelle anbot.
Lieb wie ich war, übertrug ich ihr umgehend die ehrenvolle Aufgabe, die Kölner Sammelstelle bei sich selbst zu eröffnen und zog mich aus dem Sachspendengedöns endgültig und nachhaltig zurück.

Mit Schaudern denke ich zurück an Diskussionen darüber, was Kriegsflüchtlinge im Winter mit Bikinis, einzelnen Schuhen (es gibt auch Einbeinige!), defekten Rollschuhen, verschmutzter Unterwäsche ... anfangen sollten.


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