Montag, 9. Juli 2012

Was ein Komparse mitbringen sollte ...

... Geduld, Strickzeug, etwas zu Essen, Deo und einen Stapel Zeitschriften.

Evtl. auch Oropax um das Gejammer anderer, gelangweilter Komparsen auszublenden.

Gestern waren wir in Hamburg in einem Krankenhaus, wo an einem ZDF-Krimi gedreht wurde.
Sehr human mussten wir erst um 10.45 Uhr dort sein und wurden dann auch sehr freundlich umgehend mit Wasser und Kaffee versorgt und unsere Kostüme wurden abgesprochen.
Komparsen bringen ihre Kostüme übrigens meist selbst mit.
Für mich war es sehr einfach - ich sollte eine Mutti spielen, die ihre Tochter besucht. Also ein Kleid - nicht weiß, nicht schwarz, nicht grellbunt, nicht stark gemustert und kein Markenaufdruck quer über die Brust.
Im Endeffekt konnte ich also genau so bleiben, wie ich war,
während mein Töchterlein sich in meiner Jogging-Hose, einem T-Shirt und meinen Badeschlappen wiederfand. Die Badeschlappen wurden ausgetauscht, da sie mit ihren Zehen vor den Schuhen den Boden berührte und das doch sehr lustig aussah.

Tja, und nun hieß es warten ...

...
...
...

Warten kann ich gut.
Daheim kann ich mir sehr schlecht die Ruhe nehmen und einfach mal - 10 Stunden lang - stricken. Insbesondere seit ich Samstag zu meinem Schrecken eine munter schimmelnde Wand entdeckt habe und daraufhin erst einmal damit begonnen habe, mein Büro komplett auszuräumen.
Und im Garten gibt es noch so irre viel zu tun.
Und am Computer ...
Doch, für mich und meine Nerven sind meine Komparsen-Pausen einfach eine Wucht.

Andere Anwesende empfanden das anders und zumindest einem von ihnen hätte ich gerne eine große Portion Ritalin in den Hals geschoben.
Meinetwegen mit Packung ...
... denn er verbreitete eine gruselige Unruhe.
In unserem Komparsen-Raum standen ein paar Rollstühle (yeah, unser Komparsen-Raum war wohl das, was man auch eine Abstellkammer nennen könnte) und dieser Mensch rollte nun mit einem der Rollstühle immer rund durch den Raum.
Ich war sehr froh, als wir dann alle in das Krankenhaushauptgebäude geholt wurden, um dann dort eine Weile im Eingangsbereich zu warten.
Dann wurden wir - zum Warten - in eine Kantine gebracht und dann wurde uns unser Einsatz erklärt.
Wir würden einen Krankenhausflur mit Leben füllen.
An uns würde eine junge Dame in einem Goth-Kostüm vorbeigeschoben werden, die wir dann wohl anschauen sollten, wie man junge Damen in einem Goth-Outfit + Rollstuhl anstarrt.
Tja, dazu kam es nie.
Wir warteten erst einmal wieder in der Kantine, bis diese geschlossen und geputzt wurde.
Daraufhin kamen wir zum Warten wieder in das andere Gebäude und der Mensch eroberte sich seinen Rollstuhl zurück. Immerhin rollte er nun nicht mehr immer um uns herum, sondern mittels Fahrstuhl auch noch in den anderen Stockwerken.
Er entpuppte sich im Endeffekt als öhm, ernsthafter Schauspieler, der die Zeit bis zu seinem großen Durchbruch mit Komparsen-Jobs überbrückt.
Ich finde, das habe ich jetzt sehr nett und unlästerlich formuliert.
Wobei ich zugebe, dass ich ernsthafte Schauspieler als sehr ungeeignete Komparsen empfinde, da sie eher nicht zufrieden damit sind, wenn ihr großer Einsatz in einem Film dann darin besteht, ohne in die Kamera zu gucken, hinter einer Glastür herzugehen.

Diesmal hatten wir eine sehr nette, rücksichtsvolle Komparsenbetreuerin und ich ahne, weshalb andere Komparsenbetreuer weniger nett und rücksichtsvoll sind, denn diese sollte bitteschön für ein paar Textzeilen sorgen,
Erdbeerkuchen mit Sahne,
dass der Regisseur und endlich mal einsetzt,
besseres Wetter,
Erdbeerkuchen mit Sahne!,
weniger Langeweile,
eine Hauptrolle wäre auch nett ...

Da sie nicht versprechen konnte, dass wir überhaupt noch eingesetzt würden, konnten dann diejenigen gehen, die wirklich gar keine Lust mehr hatten - bei gleichem Geld.
Ich hatte meinen Schal noch nicht fertig und Michaela die Hoffnung noch nicht aufgegeben und so blieben wir.
Was prompt "belohnt" wurde.
Michaela wurde in die blaue Montur einer OP-Schwester (?) Helen gestopft - und ich durfte nun ganz allein und in Ruhe stricken, während sie samt Komparsenbetreuung wieder zum Drehort flitzte.

Mitten in einer Reihe, kam die nette Komparsenbetreuerin und hatte genau 3 Minuten vom Regisseur bekommen, mich hinter eine Glastür zu scheuchen.
Fern der Kamera durfte ich dann hinter der Tür einmal von rechts nach links gehen.
Wir waren alle der Meinung, dass ich in meiner Rolle sehr überzeugend war:
mich hätte jeder, absolut jeder, für eine ganz normale Krankenhausbesucherin gehalten!

Noch so ein Job, und der Schal ist fertig :)


nur so - wird gleich wieder gelöscht:

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