Freitag, 23. Dezember 2011

Tschö Mama! Frohe Weihnachten!

sagte mein Sohne eben am Bahnhof, als er in die Bahn stieg und zu seinem Papa fuhr.
Seine Schwester ist schon dort.
Wenn ich mich hier so umschaue, bin ich nun also alleine.
Ganz ganz ganz alleine -
mit den Hunden, Katzen und einem Stapel Bücher.
Einem Kühlschrank, der derart gefüllt ist, dass ich dieses Jahr nicht mehr einkaufen gehen müsste und neuer Wolle, die für einen Haufen spinnerter Ideen reicht, die mir in letzter Zeit so kamen.

Vor mir liegen gerade mal 4 freie Tage, bevor mich der Alltag wieder einholt.
Wobei ich meinen Alltag mag.
Sehr sogar.

Ich mag auch Weihnachten.
Eigentlich ... und uneigentlich.
Mein Weihnachten ist irgendwie mit meinem Vater gestorben.
Einen Weihnachtstag haben wir immer bei ihm verbracht, kamen in den Genuss seines Kampfes mit einer Gans und einem Stapel wahnwitzig teurer Geschenke.
Baum mit echten Kerzen, natürlich und einer wunderschönen Krippe.
Die Erwartung des Weihnachtstages mit meinem Vater ließ auch den 24.12. schon noch fröhlicher werden, den wir traditionell mit den Schwiegereltern und oft auch einem Freund feierten, dem die Familie fehlte.
Dieser Freund und meine Schwiegermutter leben auch nicht mehr.
Und mein Schwiegervater hat eine nette neue Schwiegertochter ... hm ... mein Weihnachten wurde irgendwie "zerbombt".
Wäre es nach mir gegangen, hätte Weihnachten künftig bitteschön ausfallen können, denn das Grönemeyersche "Du fehlst!"-Gefühl übertönte irgendwie alles.
Ich bin ein entsetzlich sentimentaler Mensch - mir ist es unmöglich, eine Gans zu beißen, ohne an meinen Vater zu denken.
Der übrigens tot ist.
Hach, was hat er sich herrlich mit seiner Schwester, meiner Tante in der Küche zanken können.
Geschwisterliebe eben.
Meine Tante ist auch tot.
Meine Tante schenkte mir zu Weihnachten immer irgendwas, worin sie Geld versteckte, damit mein Vater nicht mitbekäme, wie arg sie mich verwöhnte.
Und die Weihnachtsglocken von Rosenthal - jährlich eine - und sie hätte meinen Vater fast gebissen - geschwisterlich - als er mir plötzlich auch so eine Glocke schenkte und ich sie prompt doppelt hatte.
Übrigens fand ich diese Glocken immer scheußlich.
Was hätte man mit dem Geld machen können, das diese Glocken kosteten.
Mittlerweile liebe ich meine Weihnachtsglocken natürlich und habe aber blöder Weise 2 zu viel um sie an meinen Spiegel zu hängen. Jedes Jahr dieses Grübeln, welche der hässlichen Glocken ich nun aufhänge.
Ich habe es versucht, ich schwöre!
Also, nach dem Tod meiner Tante, jammerte mein Vater schon gelegentlich, er vermisse beim Gänsebraten die öhm, Ratschläge meiner Tante.
In Ratschlägen war sie große Klasse.
Nie verheiratet, erzählte sie mir so ziemlich heute vor 18 Jahren, wie man Wehen veratmet. Richtig veratmet und richtig ein Baby auf die Welt bringt.
Selbstzweifel waren ihr immer fremd und wenn sie sich Wissen angelesen hatte, war sie immer sehr bereit, dieses auch zu teilen.
Nach ihrem Tod fanden wir einen Ordner, in dem ihre Beerdigung minutiös vorbereitet war - selbst die Buchstaben für den Grabstein hatte sie bereits gekauft - einschließlich des Dr. der nun einmal sehr fest vor ihren Namen gehörte.
Selbstgemacht, nicht angeheiratet!
Ein einziges Mal habe ich dann Weihnachten auch eine Gans gemacht.
Nieeeeeee wieder!
Das intensive vermissen meiner etwas rechthaberischen Tante und meines etwas cholerischen Vaters - beide waren übrigens grandios, denn sie hatten ein riesengroßes Herz - im Zusammenspiel mit soviel totem Tier ... Hölle - so eine große, tote Gans ist ja locker so schwer wie ein schon ziemlich großes Baby.
Als ich die Gans wusch, klappte ich prompt zusammen.
Kann natürlich auch an dem Eierpunsch gelegen haben.
Es war ein Weihnachtsfest mit Freunden, Exmännern und Kindern und es war schön und stimmungsvoll, aber danke ... Weihnachten ist mein persönlicher emotionaler Marathon.
Den Preis vieler wundervoller Weihnachten zahle ich mit etwas sentimentalen Tränen, wann immer mir die Erinnerungen daran in den Sinn kommen.
Du fehlst, Du fehlst und Du auch ... und dann aber bitteschön daran denken, dass die Kinder ein fröhliches Weihnachtsfest mit einer bitteschön ausgeglichenen Mutter verdient haben.
Das Ergebnis war eine krampfhaft lächelnde Mutter, die mühsam am Rande irgendwelcher Tränenabgründe balancierte ...
Und da fragte der Ex doch tatsächlich, ob ich evtl. bereit sei, einmal auf Weihnachten mit den Kindern zu verzichten.
Ich glaube, wir konnten unser Glück dann beide nicht fassen.
Ich kann gemütlich mit den Geistern meiner vergangenen Weihnachten feiern und muss mich nicht 2 Minuten lang zusammenreißen, denn a) ohne Kinder habe ich viel weniger Anlässe hier unter schmerzlich sentimentalen Deja Vus zu zucken und b) keine Zeugen :)
Ah, und c) diesen dankbaren Ex, dem ich dafür meine Wunsch-Termine diktieren kann, denn hey, iiiiiich war schon so verdammt großzügig, Weihnachten abzutreten, da wird er ... !

Während Ihr jetzt also alle in irgendwelche Weihnachtshektik verfallt, lege ich die Beine hoch und gönne mir 4 komplett träge Tage, in denen ich allenfalls mein Mailgebirge in aller Ruhe abtrage.

Gelegentlich schneien Freunde vorbei um zu schauen, wie es mir denn hier so geht, so gaaaaaanz allein (und mir meinen Sekt wegzutrinken ;-)
Ich finde das alles ehrlich gesagt sehr gemütlich und besinnlich.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein paar wunderschöne Weihnachtstage!

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