Freitag, 28. Oktober 2011

Konsumverzicht - Danke, ich habe alles :)

Das Thema Konsumverzicht interessiert mich schon lange und zieht sich auch gelegentlich durch diesen Blog.
Wobei ich ganz ehrlich bin - mich interessiert dabei wenig mein ökologischer Fußabdruck.
Den zu verkleinern, wäre ein positiver Nebeneffekt.
Meine Motivation ist eher das Gefühl des "genug" bis eindeutig "zuviel" Habens.
Was ich wirklich mag, ist Freizeit und davon hätte ich mehr, wenn ich weniger aufräumen müsste.
Auch mag ich mittlerweile leere Flächen.
Nicht nur, weil sie leichter und schneller zu putzen sind, sondern weil sie insbesondere in unserer Reetdachkate einfach schön sind.
Das Häuschen ist verwinkelt und schön - da muss nicht überall etwas herumstehen.
Ein einzelner Milchtopf auf einer Fensterbank macht mehr her, als eine Sammlung dicker Ballerina-Figuren ...
Mein Problem ist auch kein Markenfimmel, auch bin ich nicht kaufsüchtig.
Ich bin schlicht Ü-40 und habe Jahrzehnte Zeit und Geld gehabt, Unnötiges anzsammeln oder geschenkt zu bekommen. Ein Großteil irgendwelcher Kitschfiguren, sind eindeutig Geschenke - an denen ich natürlich auch hänge. Gelegentlich durchzuckt mich aber der Gedanke, dass es eine feine Alternative wäre, Freunde und Verwandte würden mir ein Bild dessen schenken, was sie für mich entdeckt haben (ungerahmt). Das könnte ich nach dem Lachen dann abheften. Ich würde Platz und der andere Geld sparen.
Meine Nichte hat mir zB gerade ein sehr witziges Set geschickt, mit dem ich mir meinen Wunschmann stricken kann. Ich habe sehr herzlich gelacht - und seither steht das Set herum.
Hübscher Karton - aber was mache ich jetzt nur damit?
Darauf lauern, dass einer Freundin die Beziehung zerbricht und ihr zum Trost dann umgehend mein Set überbraten?
Derzeit lese ich "No Shopping!" von Judith Levine.
Sie hat mit ihrem Mann zusammen ein Jahr auf jeden unnötigen Konsum verzichtet.
Mach ich auch, mach ich auch, mach ich auch! dachte ich erst ...
Aber ne, die habe auch auf Ausgehen, Eintrittsgelder und Reisen verzichtet.
Das ist nicht mein Anliegen.
Im Gegenteil!
Ich möchte mehr ausgehen, angucken und reisen.
Nur weniger horten.
Seit ein paar Tagen räume ich wieder durch die Regale.
Jeden Tag ein Fach.
Und rein zufällig habe ich auch noch Ebay wiederentdeckt und begonnen täglich ein Teil einzustellen. Eigentlich nervt mich bei Ebay das genaue Ermitteln der Versandkosten und so halte ich es weiterhin so, dass noch tragbare Kleidung hier im Ort in unserer Kleiderkammer landet und der restliche Kram in der Sozialstation.
Lediglich die Resultate meiner Bücherkaufsucht werde ich dann wohl bei Ebay abladen.
Für 2012 schwebt mir nach langen Versuchen des Eingrenzens nun vor, nur nachzukaufen, was sich verbraucht hat.
Wenn ich also in einer Boutique etwas entdecke - wieder mal eine Strickjacke? - muss mir klar sein, dass ich, wieder daheim dann eine entsorgen muss - eine meiner geliebten Strickjacken.
Kann ich ja gar nicht gut - entsorgen.
Wegwerfen?
Aber das ist doch noch gut!
Die habe ich damals in der Schule gestrickt!
Die ist noch aus der Hawai! Sowas gibbet doch heute gar nicht mehr!
Es könnte sein, dass ich die Jacke dann nicht kaufe :)
Noch erstrebenswerter wäre natürlich:
oh, diese Strickjacke ist hinüber - ich werfe sie weg und gehe dann gezielt eine neue kaufen.
Ich glaube, Männer machen das so.
Frauen werden mir zustimmen, dass das eine strunzdumme Idee ist, denn wenn man gezielt eine Strickjacke kaufen geht, findet man keine Strickjacke, aber 2 Pullis, 8 Paar Strümpfe, ein entzückendes Nachthemd, eine Bratpfanne in einer tollen Farbe, 2 glitzernde Sparschweine, die DVD von einem wirklich tollen Film ...
Geht gar nicht.
Bei Wolle, Büchern, Zeitschriften und DVDs gelten für 2012 dann eh Sonderregeln.
Keine Neuanschaffungen, bevor die Vorräte nicht verbraucht oder verkauft sind.
Haha - ich darf vermutlich nie wieder Wolle kaufen - oder guckt mal 2012 bei Ebay - es dürfte einige Schnäppchen geben.
Unser Dachboden ist DER Clou!
Man kann das Reet sehen (und riechen) und auf dem Boden liegen dicke, urige Eichenbohlen - sensationell. Spinnen, Fledermäuse und ein Käuzchen sorgen für eine wahre Idylle (keine Ironie - ich liebe es!)
Leider bekommt man davon aber nicht soviel mit, denn er ist bis fast zur Decke mit Plastikcontainern mit Kram gefüllt. Wobei die Plastikcontainer dann auch schon wieder eine wahre Aufräum- und Sortierleistung darstellen.
Meine Rechnung, nun einfach Container für Container wieder abzutragen, wird von 2 Teenagern sabotiert, die umgehend freigewordenen Container mit ihrem eigenen Kram bestücken und wieder dort verstauen.
Ein Lichtblick ist, dass ich bald nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene habe und sie sich schon darauf freut, ihre Schätze dann selbst bei Ebay verticken zu können.

Vorgestern habe ich meine Schuhe entrümpelt - ah, das werde ich heute noch als Termin hochladen - also, alle Sommerschuhe, die ich nächstes Jahr noch tragen möchte auf den Dachboden gebracht und dafür alle Winterschuhe heruntergeholt.
(habt Ihr auch einen Teenie am Hals, der dann "hihi herunterholen hihi" kichert?)
Obwohl ich die Winterschuhe im Frühling sortiert hatte, habe ich auch davon spontan wieder welche entsorgt.
Ich bin wahrlich niemand, der 400 Paar Schuhe hortet.
Dank unserer Hunde beschränkt sich meine Kollektion an Alltagsschuhen auf 2 gut verschließbare Schubladen - und Dank dicker Waden rauben auch keine langen Stiefel irgendwelchen kostbaren Platz. Übergewicht spart einem echt Geld!
Freistehende Schuhe trägt nämlich Knut umgehend in sein "Nest" und benagt sie liebevoll.
Es sieht niedlich aus, wenn er dann mit den Schuhen einschläft - als wolle er sie ausbrüten.
Meine Barbie-Fee findet das allerdings gar nicht so niedlich, wenn Knut ihre 10,- Euro Pumps liebevoll etwas tieferlegt. Bis auf den Absatz sah der Schuh noch richtig gut aus, wirklich ...
Nach meiner Aktion war unsere Mülltonne zwar etwas voll, aber ich hatte dieses Wahnsinnsgefühl der Ordnung und Übersichtlichkeit gewonnen.
Mit diesem Wahnsinnsgefühl bin ich dann wenig später auf dem Linoleum-Boden der Musikschule ausgerutscht und hatte danach - Schmerzen - einen arg wackeligen Absatz, dem ich nicht mehr vertrauen wollte. Also hin zum Schuh-Discounter und neue Stiefelette gekauft und Wackeldings direkt entsorgt.
Und endlich Projekt für 2012 gefunden, das zu mir passt:
nur nachkaufen und zudem täglich ein Fach aufräumen und mindestens ein Teil aus dem Haus verbannen.
Letztes Jahr ist die Idee daran versandet, dass ich an manchen Tagen mehr als ein Teil ausrangierte und dann den Überblick verlor, wann es wieder weitergehen muss.

Hach ja, ich mag Projekte :)
Und natürlich habe ich einen Stapel Lektüre zum Thema geordert ...

Kommentare:

  1. Hab gerade erst deinen Blog entdeckt. Ich bin habe selbst ein persönliches Konsumverzicht-Projekt gestartet und merke, wie schwer es ist, auf den Kauf von Büchern zu verzichten. Dabei ist mein Bücherschrank schon total überladen, auch mit Werken, die ich noch nicht einmal lesen konnte. Die, die derweile einstauben, verkaufe ich nun zum Teil bei rebuy oder medimops. Hier lassen sich gleich mehrere gleichzeitig reinstellen und man hat nur einmal den Aufwand mit dem Versand!

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  2. Die Idee mit dem Bild vom Geschenk ist ganz wunderbar!! Meine Leute sind auch schon ganz verunsichert, was sie mir noch schenken können, weil ich eh immer alles wieder entrümple. Vieles brauch ich einfach nicht mehr.

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