Freitag, 21. Januar 2011

Thilo Bode - die Essenfälscher

Nach gelesenem Vorwort und 1. Kapitel weiß ich eins:
witzig ist Thilo Bode nicht.
Die Überschrift des 1. Kapitels kommt schon etwas sperrig daher:
Die große Irreführung als Wachstumsstrategie der Lebensmittelkonzerne

Das war jetzt nicht das Kapitel, sondern lediglich die Überschrift :)
Zusammengefasst kommt sie meinem Einkaufsverhalten schon komplett entgegen. Die Lebensmittelkonzerne sind bemüht, möglichst viel Dreck in Lebensmittel zu stecken, da sie wirtschaftlich handeln müssen und sich daher zu ständigem Wachstum verpflichtet fühlen.
Da wir nicht noch mehr essen können, muss uns nun bei gleichbleibender Kaufmenge eben weniger Hochwertiges und mehr Dreck verkauft werden, damit der Gewinn auch bei gleichbleibendem Umsatz steigt.
In Butter zB kann man wenig Abfall verbergen, daher wurden eben Produkte wie Margarine und sämtliche Light-Fette entwickelt.
Man stelle sich die Freude der Lebensmittelkonzerne vor, als sie sich an die heikle Aufgabe machten, dem Verbraucher minderwertigere Ware teurer zu verkaufen. Dabei, so klingelt gerade mein mühsam gepauktes BWL, ist das sogar zuviel. Eigentlich hätte man versuchen müssen, uns gleichwertiges teurer zu verkaufen - oder minderwertiges zum gleichen Preis. Das wäre wirtschaftlich.
Dass wir aber bereit sind, für eine mit Wasser und Luft aufgeschäumte Pampe deutlich mehr zu zahlen, als für Butter - das ist die Welt der Light-Produkte.
(wobei, sorry, das findet Ihr jetzt nicht bei Thilo Bode, das war meine Ableitung)
Nach der Lektüre von Karen Duves "anständig essen", die einen umfassend über die Massentierhaltung informiert, gerät man nun bei Thilo Bode ins Grübeln: Wo bleiben denn die hergestellten Massen?
In den Lebensmitteln sind sie eher nicht.
Die leckeren Schinken im Supermarkt, die auch aussehen wie lecker Schinken, sind jedenfalls nicht das, was "wir" unter Schinken verstehen.
Sie sehen ja aus, als wären sie aus einem großen Stück Fleisch geschnitten.
Wer sieht nicht automatisch einen Schweinhintern vor sich, wenn er an Schinken denkt? Gut, aber da ist man gedanklich an ganz falschen Körperstellen. Das, was wir als Schinken kaufen, sind zusammengeklebte "Schweinereien". Das wird niemals ein Skandal werden, keine Bange: es ist den Lebensmittelherstellern ganz offiziell erlaubt, "Muskeln und Muskelgruppen, die aus dem Zusammenhang gelöst worden sind (...) ohne besonderen Hinweis zu größeren Schinken zusammenzufügen"
Es gibt ein dazu das Lebensmittelbuch, das die Verkehrsbezeichnungen von Lebensmitteln festlegt. In diesem Buch steht dann zB, dass ein Schokoladenpudding nur 1% Schokolade enthalten muss, dass im Heringssalat auch Rindfleisch sein darf, dass im Kartoffelsalat ein Anteil von 20% Kartoffeln vollkommen ausreicht, wobei 25% Wurst für einen Wurstsalat ausreichen und keiner möchte wissen, was Wurst nun eigentlich ist.
Möchtest Du doch?
Ja, da kannste auf das Wort Lebensmittelbuch klicken, bis du schwarz wirst, da ist kein Link hinter, denn in dieses Buch dürfen wir Verbraucher nicht reingucken, da zu befürchten steht, dass wir dann zum Essen lieber ins Dschungelcamp gingen, als in den Supermarkt.
Anfang 2010 hat das Kölner Verwaltungsgericht entschieden, dass selbst die Sitzungsprotokolle der Lebensmittelbuchkommission unter Verschluss zu bleiben haben. Ällebätsch!
Es stünde nämlich zu befürchten, dass wir Verbraucher dann nicht mehr unvoreingenommen einkaufen gingen.
Nein, das habe ich jetzt nicht erfunden. Das ist so!
Unter Mitwirkung unseres Verbraucherschutzministeriums übrigens.
Das kennen wir doch vom Einkaufen: nur weil Verbraucherschutzministerium draufsteht, muss noch lange kein Verbraucherschutzministerium drinstecken. Das können ohne weiteren Hinweis auch zusammengeklebte Hirnreste ... ok, DAS schreibt Thilo Bode auch nicht.
Nein, nein, ich will sein schön sachliches Buch hier nicht in Verruf bringen.
Ich bin auch gleich mal zum Kühlschrank gewieselt und habe den Bioladen-Schokopudding herausgeholt - auch nur 1,5% fettarmes Kakaopulver.
Dafür verstehe ich den Rest der Zutatenliste und kann ihn ohne Brille und Würgreiz lesen.
Besser ist selbstgekochter Schokopudding allemale, aber wer Kinder hat, weiß, dass manches einfach in ständiger Ess-Bereitschaft im Kühlschrank auf sie zu warten hat.
Ansonsten meine ich mit Schokoladenpudding kochen diesen Schokoladenpudding und kein Tütchen :)


Ok, 1. Eindruck von den Essenfälschern: interessant, lese ich weiter, ist aber so aus dem Bauch raus eher ein "Jungsbuch", mit viel Namedropping, Wirtschaftskriminalität und einschläfernden Überschriften.Als nächstes wartet auf mich:
Traumfabrik Essen - 
Wellness, Gesundheit
Schönheit, Schlankheit
Fein, da komme ich unbeschadet durch, denn nach kurzer "auja, Wellness!"-Phase, meide ich alles, was mehr verspricht, als "lecker essen"


Desgleichen kaufe ich übrigens nie irgendwas, wo "Kinder-" draufsteht, denn das bedeutet (auch im Bioladen!) regelmäßig nur: teurer und viel mehr Zucker! (aber Mütter sind dämlich, denen kannste alles andrehen ...)

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