Dienstag, 18. Januar 2011

Karen Duves "anständig essen"

So gegen Seite 200 - Karen Duve lebt noch immer vegan - besucht sie ihre Familie und erzählt sehr viel über Milch.
Trinkt sie als Veganerin nun ja nicht und was sie nun alles über Milch sagt, ist sicher goldrichtig. Sie sagt seeeehr viel gegen Milch.
Nur: ich mag Milch.
Ich mag Milch sehr - besonders, wenn sie schön kalt ist.
Ohne Milch mag ich aber auch keinen Kaffee und niemand mag mich, wenn ich noch keinen Kaffee hatte.
So gesehen, tue ich der Welt also einen Gefallen, wenn ich Milch trinke.
Außerdem stünde zu befürchten, dass Rinder aussterben, wenn es keinen kommerziellen Grund gäbe, sie zu halten, denn als Haustier sind sie doch ein wenig groß.
Kekse schmecken unendlich viel besser, wenn man sie in Milch stippt.
Ich weiß haarscharf genau, welche Tassen groß genug sind um Prinzenrollen-Kekse hineinzustippen. Wobei ich diese Kekse natürlich nicht mehr kaufe ... (aber Oliver gelegentlich und es ist pädagogisch sagenhaft wertvoll, wenn ich seine Kekse mit ihm teile)
Wo war ich?
Ah ja, also: Karen Duve und alle Vollzeit-Veganer haben absolut Recht mit jedem einzelnen Argument gegen Milch(produkte) oder Fleisch.
Beim Eier-Raub von glücklichen Hühnern - und doch, an die glaube ich - oder Honig von Bienen bin ich erstaunlich mitleidlos.
Fische würde ich komplett ungerührt in die Pfanne hauen, wäre da nicht die Sache mit dem Beifang. Vollkommen irrwitzig, greife ich wegen der Albatrosse nicht mehr oft zu Meeresfischen.
Der Albatross-Anteil am Beifang dürfte eher gering sein, aber genau die sind es, and die ich denken muss, wenn ich Fisch in Erwägung ziehe.
Der "Beifang" bei Meeresfrüchten und -fischen ist aber sooo umfangreich, dass da für jeden was bei ist, um ihm die Freude am Fisch zu rauben.
Albatrosse müsst Ihr einfach mal googeln, wenn sie Euch bisher kalt lassen.
Albatrosse sind einfach zu herrlich und halten mich davon ab, mit Lust in tote Fische zu beißen.

Rechthaben stößt gelegentlich auf Grenzen.
Man kann mich weiterhin ganz normal treffen und mir auch einfach etwas zu essen servieren ohne auf einen Vortrag über geknechtete Tiere, Kinder oder Arbeiter zu hören. Belastete Böden, Chemie sonstwo - kein Wort.
Einerseits, weil ich sämtlichen Chemiekrams umgehend vergesse und stünde Dioxin in der Zutatenliste, fiele es mir vermutlich gar nicht weiter auf.
Da mir mein Unwissen und Desinteresse in Sachen Chemie aber bewusst ist, meide ich schlicht alle Lebensmittel, die Zutaten enthalten, die ich nicht kenne. Man spart unglaublich viel Geld mit dieser Methode!

Andererseits spare ich meinen Atem für wertvolle Vorträge zum Thema Ernährung für meine Brut auf. Ihr wisst schon:
Ich bin "Erziehungsberechtigte" von 2 Menschen - die Hälfte davon ernährt sich (derzeit) vegetarisch.
Die andere Hälfte hat meine Wissensflut derart verinnerlicht, dass ich das liebevoll geschälte und oft auch kleingeschnittene Obst an den ulkigsten Stellen wiederfinde.
Von 3 Mio toter Fruchtfliegen umgeben unterm Bett (seinem!)
mit bunten Pilzkulturen verschimmelnd in Tupperdosen (unterm Bett)
oder einfach direkt vor seinem Fenster.
Er überschätzt die Gefräßigkeit der Fasane, die durch unseren Garten spazieren ...
Bio-Obst predigen, Dinkelkekse anpreisen, auf die Gefahren von Energiedrinks, Limo und Cola hinzuweisen - boah, das macht so dermaßen keinen Spaß. Die "Gegenseite" hat Werbeagenturen, die Menschen gut bezahlen um griffige Formulierungen wie "Mach dir die Frische auf!" gegen "das zieht Dir das Calcium aus den Knochen!" setzen.
Im Fernsehen sieht man die Bahlsen-Backstube mit ihren goldigen Bäckern, die glückliche Milka-Kuh ... einzig der blondlockige alte Onkel, der versucht, kleine Kinder mit Gummibärchen zu verführen, schreckt eher ab, als zum Kauf zu verführen.
Also, ich bin witzig, informiert, kenne und liebe meinen Sohn sehr und dennoch komme ich mit meiner "Obst ist gut und wichtig"-Botschaft nicht durch.
Immerhin hat er mich soooooo lieb, dass er mich ganz gerne in dem Glauben lässt, er habe meine Obst-Botschaft verinnerlicht. Und Tino hat ihm jetzt einen Schwung Tipps gegeben, wie und wo Oliver das ungeliebte Obst so loswird, dass Mami es nicht merkt.

Daher: neeeeeeee, bei Fremden missioniere ich nicht ...

So, muss mal weiterlesen, ob es Karen gelingt, ihre Familie zu missionieren, was Milch, Fleisch und den Rest des Universums angeht.

Kommentare:

  1. Das (derzeit) kannst du gerne weglassen, denn ich werde es für immer so belassen...
    Um ehrlich zu sein, vielleicht würde ich gerne zu veganer Kost wechseln, aber hey, nur dir zu Liebe werde ich damit warten bis ich ausgezogen bin ;)

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  2. Vegan bedeutet, auch kein Magerquark mehr :)
    Und argumentativ ist es ein sinnloses Opfer, wenn Du auf Magerquark verzichtest, aber weiterhin gerne shoppen gehst, denn da ich ausschließlich Bio-Milchprodukte kaufe, schadet Dein Milchverbrauch der Welt sicherlich weniger, als der Überfluss in Deinem Kleiderschrank.

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  3. Ich trinke keine Milch, aber ja, du hast recht, magerquark werde ich wieder essen, unbeding! :D
    und wie gesagt, ich denke nur darüber nach ;)

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  4. Darfst Du :)
    Und kein Mensch verpflichtet Dich, die Verantwortung für irgendwelche Kälbchen zu übernehmen. Es ist nur ein wunderschön spitzfindiges Argument.

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:)