Donnerstag, 20. Januar 2011

anständig essen im Dschungelcamp

Ich stehe dazu, wenn ich nicht zu müde bin, gucke ich zu gerne das Dschungelcamp an. Nebenbei bin ich mit Karen Duves "Anständig essen" durch und Oliver sei Dank, gucken wir derzeit (bis Michaela wieder in Sachen Fernsehprogramm mitredet) Dokumentationen.

Karen Duves Buch "Anständig essen" beginnt zwar ab Seite 200 etwas moralinsauer zu schwächeln, aber sie bleibt ihrem lesenswerten Stil treu und ich empfehle ihr Buch als echtes Highlight unter den "kritischen Ernährungsbüchern".
Witzig finde ich, ganz am Rande, dass sie nie auf die Idee kommt, ihr Brot selbst zu backen. Sie bleibt dem Griff zum Fertigprodukt treu, auch wenn ihr in der veganen Zeit dann der Brotkauf schwer gemacht wird, da Brot mit durchaus veganen Zutaten zu gerne auf gebutterten Blechen gebacken wird.
Ich werde mal gucken, nur aus Interesse, ob ich auch veganes Brot backen kann. Bisher kippe ich grundsätzlich Buttermilch ins Mehl - mir schmeckt das einfach und es gelingt gut.
Grinsen musste ich auch, als Karen Duve recherchiert, ob sie als Frutarier Hirse essen "darf". Sie findet nur wenige Frutarier und die können mit ihrer Frage auch nicht viel anfangen. "Wenn du Hirse essen möchtest, darfst du sie essen.", ist die Antwort. Der gutmütige Frutarier würde ihr aber auch ein Steak "erlauben", da er den Punkt des "Dürfens" nicht recht sieht.
Seine Ernährungsform hat er frei gewählt. Er isst, was er essen möchte, was er für rücksichtsvoll hält - und glaubt mir, er ist irre rücksichtsvoll! - das heißt aber, er folgt seinem eigenen Gewissen und er erkennt auch Leute, die überfahrene Tiere lecker zubereiten problemlos als Frutarier an.
Ein Punkt, der mir sehr gefällt.
Ich habe oft darüber nachgedacht, Vegetarier zu werden.
Meine kurzen, vegetarischen Phasen endeten IMMER im Steakhouse, wo ich dann schlechten Gewissens "versagte" und es dann immer eine ganze Weile aufgab ein "guter Mensch" zu werden.
Irgendwann habe ich meinen eigenen, wunderbar inkonsequenten WischiWaschi-Weg gefunden.
Grundsätzlich kaufe ich im Bioladen ein oder in den Supermärkten die Bio-Produkte.
haha ... wer mit mir zusammen eine Bankausbildung gemacht hat, weiß, was das Wort "grundsätzlich" bedeutet ... Nix!
Ein paar Sachen halte ich gelungen gutmenschig hoch. ZB kann ich mich nicht erinnern, je einen anderen Kaffee, als den mit Transfair-Siegel gekauft zu haben.
Desweiteren sorge ich dafür, dass ich einen ständigen Nachschub an Informationen in Sachen "achtsam leben" auf mich einrieseln lasse, der dafür sorgt, dass ich mittlerweile eine gewisse Freude am Verzicht habe.
Ich kaufe öfter mal nicht.
Einige Konzerne haben mich auf ewig - zumindest so lange ich mir den Namen des Konzerns merken kann - als Kunden verloren. Müller Milch zB
Deren Firmenpolitik finde ich so abstoßend, wie ihre Zutatenlisten.
Wobei ich grinsen musste, als sich Felix nahezu bei mir entschuldigte, dass meine Kinder bei ihm durchaus diese Produkte konsumieren konnten.
Den Wahn, den Kindern meine Anschauungen aufzuzwingen, hatte ich nun wirklich noch nie. Die sollen mal schön ihre eigenen Wege finden, denn ich liebe mein Leben so wie es ist - kann mir aber lebhaft vorstellen, dass andere ganz andere Ziele, Ideen und Träume haben.
Andere Schwerpunkte.
Jemand zB, der in den Ferien losgeht und kostenfrei andere Menschen heilt - Ärzte ohne Grenzen - oder Wahlbeobachter, die unerschrocken in Krisengebiete reisen um dort ein Klümpchen mehr Demokratie zu ermöglichen und und und ... stehen in meiner Achtung ziemlich weit oben.

Wie gesagt, gestern haben wir eine Reportage über den Autoren des Buches "Buschfleisch" gesehen, den ich zB spontan nicht mochte.
Ein Schweizer, der in Afrika recht bequem lebt und sich berufen fühlt, afrikanische Wildtiere zu schützen. Nebenbei hat er seit 26 Jahren einen Chimpansen, den er dauernd mit einem zurückgebliebenen Menschen verglich. In meinen Augen ist es sehr arrogant, einen perfekten Chimpansen als zurückgebliebenen Menschen zu verkaufen, ihm das Zähneputzen und das Blättern in Pornomagazinen (Menschenweibchen, keine Affen) beizubringen und darunter zu leiden, dass Gorillas weiterhin gejagt werden.
Klingt falsch, aber mich lässt es eher kalt, dass Gorillas und Elefanten vom Aussterben bedroht sind.
Es ist so bequem, die Gorillas in Afrika zu schützen, denn es bedeutet keinerlei Einschränkung oder Nachdenken über den eigenen Lebensstil.
Wir bekamen gestern ausschließlich weiße Tierschützer gezeigt und Affen mordende Afrikaner.
Natürlich schlägt einem der Anblick eines geräucherten Gorillababys übel auf den Magen, aber der Anblick eines nackten Hühnerhinterns aus der Massenhaltung ist durchaus nicht schöner und den gibt es zu Tausenden gleich hier umme Ecke!
Sollten die Afrikaner dazu kommen über uns Europäer tiefer nachzudenken, halten sie uns garantiert für absolut asoziale Deppen!
Wie fände ich es, wenn mein Haus in Flammen stünde und ein Hilfstrupp käme angerannt um die Fledermäuse von meinem Dachboden zu retten, statt meiner Kinder?
"Wir" haben den Pygmäen die Jagd auf Elefanten etc. verboten aber unsere Jäger dürfen Katzen und Hunde abballern, wenn ihnen diese vors Gewehr kommen. Glaubt mir, meine Katzen und Hunde sind mir auch wieder näher als irgendwelche Gorillas im Nebel.
Und wenn ein Afrikaner erzählt, dass er auf 5 Meter an einen Gorilla rangehen muss, um diesen töten zu können, finde ich das mutiger, als die Breitärsche, die bequem von ihren Hochsitzen aus niedliche Rehe abknallen, nachdem sie selbst via Winterfütterung dafür gesorgt haben, dass es davon deutlich zuviele gibt.
Verwundete Gorillas können im Gegensatz zu schlecht getroffenen Rehen nämlich ganz schön rachsüchtig sein.
Wir Menschen sind eh blöde ... Disney allen voran.
Wer wirklich etwas für den Tierschutz tun möchte, sollte erst einmal Disney verbieten, denn was passiert, nach jedem Disney-Film?
Unser begeisterter Nachwuchs bringt seine Eltern dazu, die zuletzt gezeigte Rasse übel zu misshandeln.
1001 Dalmatiner?
Umgehend wollen die Kinder und/oder ihre infantilen Eltern einen Dalmatiner haben und ignorieren dabei stur, dass Dalmatiner Kinder echt nicht mögen. Dalmatiner wird angeschafft, Nachfrage sorgt für mehr Dalmatiner, Dalmatiner beißt, Dalmatiner wird entsorgt.
Nemo, der im Disney aus einem Aquarium gerettet wird, sorgt dafür, dass nun jeder mindestens einen Clownfisch namens Nemo im Aquarium (und überhaupt ein Aquarium mit schön bunten Fischen!) haben möchte. Oh, Danke, Disney, dass Du den Kindern und Eltern auch gezeigt hast, dass es im Endeffekt - zumindest im Film - ein Segen ist, wenn man die arbeitsintensiven Aquarienbewohner dann irgendwann durchs Klo spült.
Außerdem kann ich Disney nicht leiden, weil meist erst mal die Mutter sterben muss, damit richtig gute Abenteuer erlebt werden können. Pft!

Und dann kam auch noch das Dschungelcamp.
Ich gucke es gerne.
Diesmal mit Rainer Langhans, der das "achtsame Leben" für sich gepachtet hat. Ich war gespannt und werde auch erwartungsgemäß gut unterhalten.
Die Dschungelcampbewohner erhalten eine Grundversorgung an Reis und Bohnen, dazu auch Wasser (und Klopapier) soviel sie brauchen.
Wer nun vor der Wahl steht, eine der Ekelaufgaben zu erfüllen, riskiert nicht etwa, dass das Team hungert, sondern lediglich dass sie sich mit Reis und Bohnen bescheiden müssen.
Wie lange sind die maximal im Camp? 2 oder 3 Wochen?
Reis, Bohnen, Wasser und Klopapier satt ... ein nicht gerade kleiner Teil unserer Weltbevölkerung hat diese Grundsicherung nicht.
Menschen, denen wir das Jagen ihres Wildes verbieten zB ...
Gestern bestand die Aufgabe darin, in Kauf zu nehmen, dass eine Schauspielerin für jeden Ausrutscher nicht nur mit einem Eimer Ekelkram übergossen wurde, sondern auch noch einen kräftigen Stromstoß erhielt.
Man schnallte sie auf einen regelrechten elektrischen Stuhl.
Ich war fasziniert:
statt sich mit Reis und Bohnen zufrieden zu geben, stolperte die blonde Heulboje also los und die herbe Schauspielerin wurde auf ihrem elektrischen Stuhl munter geröstet und mit Unrat übergossen.
Da dieser Teil der Sendung nicht life ist, gestehe ich beiden die Möglichkeit zu, dass sie fröhlich abgewunken und mit Reis und Bohnen beschieden hätten und RTL mit irgendwelchen Extras gelockt hat, damit sie mitmachen.
Übrigens gehe ich davon aus, dass ich mich durchaus mit ins Dschungelcamp schicken ließe.
Wenn ich das richtig sehe, erhält jeder Teilnehmer um die 50.000,- Euro, eine Gratisreise nach Australien für sich und einen Begleiter, wobei der Begleiter im komfortablen Hotel bleibt und noch dazu einen Karriereschub, der dann auch wieder Geld in die Kasse spült.
Und dafür wurde noch in keine einzige Kakerlake gebissen (die wir fein gemahlen in Fertigproukten eh in ansehnlichen Massen zu uns nehmen ...)
Ich bilde mir aber ein, dass ich mein Strickzeug mitnehmen würde, eine Reis-Bohnen-Diät durchzöge und ansonsten schwer daran arbeiten würde, sämtliche Lästergene zu unterdrücken und die Klappe zu halten.
Das Dschungelcamp hat ja was von Tierdokumentationen.
ca 12 Stunden Bildmaterial von zig Kameras wird da auf ein paar Momente zusammengeschnitten. Mit launigen Anmoderationen werden wir dann auch noch in die richtige Richtung geschubst, welches Bild wir uns von wem zu bilden haben.
Rainer Langhans wird uns zu gerne nackt gezeigt. Der Mann, der 4 Frauen hat ... ein wenig mager, ein wenig schlaff, ein wenig grau ... wie das nun so ist mit über 70.

Es gäbe keine Werbepartner dafür, aber ein Sendeformat in dem uns unsere Nahrungslieferanten gezeigt werden, wäre mal gut.
Jamie Oliver hat mal Küken vergast. Vor laufender Kamera.
Das war ein Schocker!
http://www.youtube.com/watch?v=0b29B7zNZXs
Keine Ahnung, ob es stimmt, aber seine Karriere soll dadurch einen Hänger gehabt haben, wobei sich aber am Hühnerverbrauch nichts geändert hat.
Dabei ist das noch die nettere Art, wie alle Hähne entsorgt werden.
Nein, es ist nicht so, dass Hühnermädchen zum Eierlegen gezüchtet werden und ihre Brüder dann Grillhähnchen werden.
Schlechte Nachrichten: absolut jeder Bruder der Eierlegenden ist ein Abfallprodukt, das irgendwie entsorgt werden muss.
Und so human wie von Jamie Oliver werden die in den Riesenmengen nicht vergast. Auf die kleinen niedlichen gelben Flauschbällchen wartet eine Art riesiger Gartenhäcksler, damit sie danach gut zerkleinert - haha, wäre ich nun boshaft, käme ich mit Hipp-Babygläschen, aber sie landen eher im Tierfutter.

Die (auch Onkel Hipp) Fleisch liefernden Hühner sind eine andere Rasse, wobei das Schicksal "Mast" auch nicht schöner ist.


Und übrigens:
eine Kuh gibt, genau wie deine Mami, nur dann eine Weile lang Milch (und ist überhaupt erst eine Kuh ... bzw Mami ...) wenn sie ein Kalb bekommen hat.
Der Gattungsbegriff ist nämlich "Rind" und nicht "Kühe". Ein Kalb ist keine Kuh, ein 5jähriges weibliches Rind auch nicht. Merkt es Euch an den Mamis.

Milch trinkende Vegetarier (auch die in Australien ;-) haben auch so eine Denksportaufgabe zu lösen, was mit den Kälbern oder "trockenen" Kühen zu geschehen hat.
Ich liebe es :)
Nein, man kann sie auch nicht wirklich guten Gewissens "auswildern", denn dann brauchen sie zuviel Platz, zuviel Gras, zuviel Wasser und sie pupsen und rülpsen uns die globale Erwärmung herbei ...

Mit anderen Worten: selbst ein Frutarier weiß, dass er auf Kosten anderer Geschöpfe lebt und die Aufgabe nichts und niemandem zu schaden ist nicht lösbar.
Nun kann man achselzuckend aufgeben, sich das Leben erleichtern indem man möglichst allen unbequemen Infoquellen aus dem Weg geht, oder versuchen, das Leben auf seine ganz eigene Art zu genießen.

So, das nächste Buch auf meinem Ernährungsbücherstapel ist nun
Thilo Bodes "Die Essensfälscher"
Ich bin gespannt :)

Kommentare:

  1. Veganes Brot hab ich auf 'ner Tupperparty kennengelernt: 500 ml Malzbier, 500 g Mehl, 1 TL Zucker, 1 TL Salz, 1 P. Backpulver, ½ Dose Röstzwiebeln (oder auch nicht) - schmeckt seeehr lecker! Fehlt das Rezept etwa noch auf deiner Seite??

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  2. Nix "mach mal" - das wars schon. Das ganze anständig vermischen (braucht man nicht mal ein Rührgerät für) und backen. Fertig. Kann man natürlich noch nach Belieben mit allen möglichen Zutaten ergänzen, brauch ich dir ja nicht zu sagen. Fiel mir nur spontan zum veganen Brot ein.

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