Donnerstag, 8. April 2010

Hansa Park

Heute habe ich das wärmende Gefühl, eine wirklich gute Mutter zu sein, denn gestern war ich mit meinen Kindern und jeweils einem Kumpel in der gefühlten Hölle eines Vergnügungsparks.
Es ist schon erstaunlich, wie abrupt meine Lust am Achterbahnfahren endete, nachdem es auch nicht mehr nötig war mitzufahren.
Ich weiß genau, dass ich früher gerne auf Achterbahnen war, gerne mit meinen Nichten Achterbahn gefahren bin und später auch mit meinen Kindern.
Kaum trauten sie sich das allein oder mit Freunden, gab es für mich auch nichts Absurderes mehr, als mich in so einer Schlange einzureihen und dann bis knapp über die Übelkeitsgrenze durch die Luft schleudern zu lassen.
Mich würde interessieren, ob ich meine Kinder gerade noch rechtzeitig bekommen habe oder sich bei "späten Müttern" das Achterbahnsverfallsdatum automatisch nach hinten verschiebt und sie noch mit über 50 ehrliche Freude daran empfinden mit ihren Kindern Achterbahn zu fahren.
Ich jedenfalls hielt mich gestern allen Attraktionen möglichst fern, was leider nicht wirklich fern ist. Fern schimmerte das Meer. Nachdem ich den Park knapp dreimal auf den alleräußersten Wegen umrundet hatte, suchte ich mir eine schöne, ruhige Ecke mit Blick aufs Meer und wühlte David Sedaris "Schöner wird's nicht" aus meiner Tasche.
Meine Versuche, mir vorzustellen, ich säße daheim in meinem Strandkorb mit Blick auf meinen Pflaumenbaum, scheiterten kläglich, denn mein ruhiger Platz lag im "mexikanischen" Teil des Parks.
Ich weiß nicht recht, weshalb Vergnügungsparks immer irgendwelche Nationen verballhornen müssen oder wie sich die armen Sprecher fühlen, die irgendwelche Bänder mit gruselig falschem Akzent besprechen.
Da ich mexikanische Verwandtschaft habe, weiß ich, wie es klingt, wenn Mexikaner Deutsch sprechen. Das ist schon lustig genug - weshalb also diese komplette Verballhornung?
Zumindest erklärt es, weshalb die mir bekannten Vergnügungsparks niemals einen israelischen Bereich in ihren Parks eröffnen.
DEN Ärger könnte ich mir lebhaft vorstellen ...

Erwähnte ich eigentlich, dass ich 2 Hunde dabei hatte?
Hatte ich.
Die Alternative wäre gewesen, dass die beiden sonst den ganzen Tag allein geblieben wären und mitkommen ist immer die bessere Wahl.
Befremdlich war, als mir jemand sagte, er beobachte mich jetzt schon seit Stunden und hätte bemerkt, dass ich ganz allein mit 2 Hunden im Hansa Park sei.
Das fände er nicht gut.
Mit Hunden ginge man besser in den Wald!

Ich sagte ihm freundlich, dass ich es dagegen sehr gut fände, dass er nicht in den Wald ginge und dort stundenlang einzelne Frauen beobachte, sondern dies lieber in einem belebten Vergnügungspark täte, wo mir sicherlich ganz schnell ein paar Leute zur Hilfe eilten, würde ich nur laut genug schreien!

Am Nebentisch prustete jemand lachend seine Cola auf seine Fritten und ich konnte wieder weiterlesen, bis sich zwei heftig Gepiercte zu mir an den Tisch setzten und sich gegenseitig lebhaft beteuerten, sich DAS von Kevin nicht mehr bieten zu lassen.
Nie wieder! So ein ... und überhaupt ...

Ich konnte nicht weiterlesen.
Einerseits platzte ich vor Neugier, was Kevin den beiden angetan hätte, andererseits wünschte ich mir die relative Ruhe der mexikanischen Schlager und Ansagen zurück.
Endlich verkündete die eine, dass sie jetzt pissen ginge, aber statt nun schön ruhig neben mir zu sitzen, begann die andere hektisch mit ihrem Handy zu telefonieren.
Sch ... Handys, sch ... Vergnügungsparks ...

Ich drehte eine weitere Runde mit Coffee und Knut um den Park.
In meiner Tasche trug ich ca 200 Kacki-Beutelchen bei mir - leere, saubere Kacki-Beutelchen, wohlgemerkt und ich tütete alles ein, was die beiden an Häufchen produzierten.
Selbst die Häufchen, die sie auf dem äußersten Trampelpfad auf den Rand legten - Coffee hat einen tiefen Unwillen, auf Wege zu kacken - tütete ich ein und die meisten Tütchen warf ich umgehend in den nächsten Mülleimer.

Ich gebe zu, beim allerersten Häufchen habe ich ein klitzekleinwenig versagt, wie ich später begriff. Knut hatte ihn von sich gegeben. Ich tütete ihn umgehend ein und fand, als ich mich suchen umblickte ein Holzfass mit Deckel, was ich für einen Mülleimer hielt.
War es wohl aber doch nicht.
Eher ein Holzfass mit Deckel.
Nun, wer immer dort irgendwann das gefüllte Kackibeutelchen findet ... es tut mir Leid ...

Als meine Hunde mit ihrer Verdauung durch waren, wagte ich, mit den beiden über einen Weg zu gehen, bei dem man über dicke Steine durch plätscherndes Wasser geht.
Ihr wisst schon: Labbis und Wasser ...
Da ich beide brav an der Leine führte, hopste Knut wasserscheu mit mir von Stein zu Stein, während Coffee glücklich lächelnd kurz im knöcheltiefen Wasser stehenblieb und abkühlte.
Sie schlammbadete nicht, sondern stand nur und kühlte etwas ab, als ich zwischen die Fronten geriet.
Eine kampfeslustige Mutter keifte mich an, dass hier Kinder spielten!
Eine nicht minder kampfeslustige Mutter keifte zurück, dass die Füße meiner Hunde nicht dreckiger seien, als die ihrer Kinder.
(nein, das war ich nicht)
Ich war die, die ihre Hunde hinter sich herziehend um die Ecke verschwand.

In einer Art Goldgräbersiedlung fand ich einen neuen "ruhigen" Platz, wo nur ein Schwung singende Cowboypuppen zu ertragen waren.
Meine Hunde dösten friedlich, ich las friedlich, als unbemerkt ein kleines Kind mit großem Eis angetappelt kam um meine Hunde zu streicheln.
Von mir unbemerkt ... nicht aber von Knut, der kleine Kinder und große Eisportionen absolut zu würdigen weiß. Wenn ich seine Körpersprache richtig deutete, fand er das Eis Klasse, während das Kind den Verlust des Eis' ganz ganz schlimm fand.
Ich hingegen habe in Sachen Diplomatie aber echt dazu gelernt und habe nur ganz doll betroffen geguckt, als die dazugehörige Mutti mir erzählte, das ginge so aber nicht und dass ich auf meine Hunde aufpassen müsste!
Ich habe ihr nicht vorgeschlagen, ihrem Kind ein Glöckchen anzuhängen, damit es sich nicht so leise an mich anschleichen könnte.
Nein, stattdessen habe ich brav ein neues Eis bezahlt.
Diplomatie hat etwas für sich!
Wenig später kam diese Mutti nämlich mit Kaffee für uns beide zurück und erzählte mir vom Frust, einen kleinen Nachzögling zu einem Schwung größerer Kinder zu haben, so dass sie nun den Kleinen hüten müsste, während der Gatte mit den Großen Achterbahn führe.

Ja, mit Hunden und Kleinkindern lernt man viele Menschen kennen.
Wobei ich sehr sehr froh bin, dass ich Hunde habe und keinen Nachzögling :)

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