Freitag, 23. April 2010

Englisch in der Bahn

Vulkan sei Dank, sind wir diese Woche in den Genuss einer langen Bahnfahrt gekommen.
Immer wieder erzähle ich meiner Tochter, dass sie in Englisch (oder Französisch) hemmungslos drauf losquatschen muss um mündlich besser zu werden.
Wie so viele Menschen hält sie nämlich lieber die Klappe, statt einen Fehler zu riskieren.
Im Ausland komme ich pädagogisch wertvoll also immer wieder (und nervig) darauf zu sprechen, ob sie den jeweils letzten Gesprächspartner, der sich am Deutschen versucht hat, dafür auslachen möchte, dass er Fehler gemacht hat oder eher dafür bewundert, dass er wenn auch holprig aber informativ zB über Pyramiden, Pharaonen und Tempel erzählt hat.
Immer wieder bestehe ich darauf, dass Fremdsprachen ein Werkzeug sind und wir dann halt je nach Sprache öfter mal "zuschlagen" oder "herumschrauben" müssen, bis unser Gesprächspartner uns versteht, er aber froh und dankbar sein kann, dass wir das Werkzeug überhaupt in die Hand nehmen und wenn auch fehlerhaft loslegen.
(ja, der Vergleich hinkt spätestens, wenn man beim fehlerhaften Gebrauch einer Motorsäge auch noch Dankbarkeit vom blutenden Gegenüber erwartet ...)

Mit anderen Worten:
aus dem Pflichtgefühl meiner Mutterschaft heraus (oh Mann, Mütter sind öde!) halte ich meine Mimik und Zunge im Zaum, wenn jemand mit einer Fremdsprache voll daneben greift.

Als der Bahn-Mensch am Mikro sich laut und deutlich an jeder Station von den "Gentlemäns" verabschiedete, habe ich also nicht über das falsche S gegrinst, sondern darauf hingewiesen, dass die Gentlemen sicherlich verstünden, was gemeint ist und das sei doch prima.

Gar nicht so einfach, so korrekt zu sein, wenn neben der Mami ein Lästermaul in einem existiert und dauernd kichern möchte.
Kinder, das ist der Grund, weshalb Muttis so gerne mal unter sich sind und dann ungehemmt und unmütterlich loslegen können ...

Wenig später hatte ich nämlich heftig zu kämpfen, als ein Norweger einem Bahn-Menschen auf englisch erklärte, dass er gerne eine Deutsche Spezialität probieren würde und der Bahn-Mensch statt Spezialität Schnitzel verstand. Noch verwirrender wurde der Dialog dadurch, dass Schnitzel vom Norweger durchaus als Spezialität anerkannt wurden, der Bahn-Mensch aber leider keine auf der Speisekarte hatte und dem Norweger deshalb einen "Salat Hawai" schmackhaft machen wollte.
Auf Nachfrage des Norwegers, ob dies eine Deutsche Spezialität sei, aber einräumen musste, dass keine Schnitzel im Salat seien.

Michaela guckte glücklich glucksend von mir zum Norweger und zurück, während ich mich heftig aber eher hoffnungslos bemühte, das nicht lustig zu finden und auch nur in die Nähe des Verdachts zu geraten, dass ich einen von beiden oder beide auslachen wollte.
Gar nicht so einfach, denn die Grundstimmung im Zug war einfach heiter.
Dieser Zug war voller Menschen, die nie vorhatten, in diesem Zug zu sitzen, sich aber längst damit abgefunden hatten und mittlerweile alles von der heiteren Seite sahen.
Wir kicherten dauernd - besonders erheiternd waren Station für Station die eigentlichen "Bewohner" der 1. Klasse-Abteile, deren Mienen deutlich anzusehen war, wie wenig sie der Umstand erfreute, die bequemen Sitze voll zB sonnenbrandiger strickender Mamis und ihrer PSP spielender Söhne zu entdecken.
Der Anblick meiner 16jährigen Tochter hat dann wieder mit vielem versöhnt :)

Hach ja, ich war seeeeeehr froh, als der Norweger dann endlich ein Gulasch bestellt hat.
(Norweger: das ist doch eine deutsche Spezialität?!
Bahnmensch: Nicht wirklich Schnitzel, aber lecker!")

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Bitte zumindest mit einem Vor- oder Spitznamen signieren.
:)