Mittwoch, 18. November 2009

A. J. Jacobs - Die Bibel & ich

Mit A.J. bin ich nun mittlerweile im 5. Monat, dem Januar angekommen und eigentlich wollte ich schreiben, dass er nun komplett zum Arschloch mutiert, aber das ist weder clever, noch diplomatisch.
A.J. hat erwähnt, dass er sich zwanghaft selbst googelt und nachdem ich einen so netten Kontakt mit Walter Satterthwait hatte, über den ich sehr viel Netteres zu sagen wußte, als "komplettes Arschloch", werde ich mich bei A.J. auch zurückhalten, denn wer weiß: vielleicht ist er ja, wenn er die Bibel wieder in den Schrank stellt ein ganz angenehmer Zeitgenosse?
Dazu kommt, dass es nicht clever wäre, ihn jetzt so zu schimpfen, da er im Buch noch 7 Monate Bibeltreue vor sich hat und ich steigerunsfähig bleiben möchte.
Also: ich bin im Januar angekommen, seinem 5. bibeltreuen Monat und runzle heftig die Stirn, denn er hat ein Huhn geopfert.
Ich erlaube mir, dies echt hirnrissig zu finden, denn er steht nicht dahinter.
Ich könnte verstehen, wenn er mit journalistischer Distanz über Menschen berichtet, die aus Glaubensgründen jährlich ein Huhn opfern, aber es selbst tun?
Menno, ich käme beim Schreiben dieses Beitrags schneller und konzentrierter weiter, wenn vor meinem inneren Auge nicht dauernd der kleine Film abliefe, wie A.J. auf der Suche nach einem neuen Buchprojekt zwischen dem Kamasutra und dem Mondkalender hin und her schwankte ...
Also, im Januar opfert er ein Huhn.
Steht so noch nicht einmal in der Bibel, aber es reicht ihm nicht, den Zehnt zu opfern oder zumindest die Zehnt-Opferung zu einem Ende zu bringen, denn zum Zehnt seines Einkommens fehlt noch ein ganz netter Teil - nö, er opfert erst eine Portion Gemüse und dann ein Huhn.
"Das Huhn stirbt nicht für unsere Sünden. Es führt lediglich vor Augen, wie es uns ergehen könnte oder sollte, weil wir Sünder sind."
Was für ein Schwachsinn!
Soll er mal einen Tag in einer Notaufnahme verbringen, dann kann er genug sehen, wie es uns so ergehen kann.
Ein Huhn töten, damit wir vor Augen behalten, wie es uns ergehen könnte?
Die goldene Regel der Ethik sagt doch Was du nicht willst, das man dir tu, das füge keinem anderen zu.
Man sollte nicht gleich die Ethik über Bord werfen um ein Buchprojekt durchziehen zu können.
Wenn Menschen aus Glaubensgründen ein Huhn töten oder weil sie Hunger haben, sehe ich darin einen Sinn, aber Töten um dabei gewesen zu sein?
Überhaupt regt mich A.J. Bibelleben zu Widerspruch an.
Er legt das Ganze immer so nach Belieben aus.
Bestimmt hat kein Bibel-Autor im Sinne gehabt, dass jemand, der nach der Bibel lebt später mal irgendwelche Kellner mit der Frage in den Wahnsinn treibt, ob die Früchte auf dem Obstteller von Bäumen stammen, die über 5 Jahre alt sind, oder ob Schweinefett im Essen ist.
Überhaupt, beginnt A.J. im Januar nun damit, darüber nachzudenken, was Gott sich bei diesem oder jenen gedacht hat.
Vor 6 Monaten hat er Gott noch geleugnet, heute weiß er schon, was Gott denkt.
Aber das wissen wir doch alle.
In meiner Auslegung zB hat Gott Adam und Eva damals wegen des Feigenblattes aus dem Paradies gejagt. Gott ist nämlich allwissend und so sah er schlagartig Victoria Beckham vor sich in Size Zero und vollkommen auf ihr Aussehen fixiert.
Und so etwas passt nun einmal besser auf unseren Planeten als ins Paradies.
Mein Paradies ist eine Handyfreie Zone, ohne Privatsender und Hersteller von Pizza quattro formaggi, in der überhaupt kein Käse ist, dürfen da auch nicht rein.
Das ist nicht abgedrehter als A.Js Ansicht, dass man in der ausdrücklichen Erlaubnis, Grillen und Heuschrecken essen zu dürfen, ein Zeichen für Gottes Gnade und Barmherzigkeit erkennt.
(er futtert sie übrigens mit Zartbitterschokolade überzogen von einem Insekten-Versand, statt sie selbst zu jagen. Dafür hat er aber nun auch einen exklusiven "Ich esse Insekten"-Button.

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