Samstag, 4. April 2009

Wie Coffee ein Brötchen vor dem Ertrinken rettete ...

Gestern war einer der Tage, der zeigte, dass sich im Leben alles zum Besten wendet, wenn man sich keine Sorgen macht und es glücklich vor sich hinplätschern lässt.
Beim Aufwachen hatte ich noch ein klares Tagesprogramm, nur wenige Stunden später lag ich schon hoffnungslos in meinem Zeitplan zurück, hatte aber eine außerplanmäßie Tasse Kaffee im Bett nebst weiterem Kapitel in meinem Buch genossen.
Ich musste nach Hamburg, denn mein Laptop hatte einen Wackelkontakt am Stromkabel und so musste ich mich in den letzten Wochen immer eine ganze Weile einhändig am Computer beschäftigen, damit ich mit der anderen Hand das Kabel in einer bestimmten Stellung festhalten konnte.
Wenn der Akku wieder voll war, konnte ich wieder beidhändig tippen. Während des "Beladens" wusch und verprügelte ich Entchen und goss Blumen. Viele Entchen und Blumen.
Nun hatte endlich der Händler angerufen, dass das bestellte Teil da sei.
Zwischen mir und Hamburg lagen nur noch "duschen und eine Runde mit dem Hund in den Wald".
Spontan rief ich noch eben eine Freundin an, ob sie nicht mit nach Hamburg kommen wollte. Mir schwebte Shoppen vor oder ein Abstecher ins Museum, während mein Laptop repariert wurde.
Meiner Freundin schwebte bei dem Wetter eindeutig eher "Reiten" vor, aber wir quatschten uns eine Runde am Telefon fest.
Solange, bis ich mit einem entsetzten Quieken nur noch in die Dusche springen konnte und dann den Hund kurzentschlossen in den Kofferraum stopfte und mit nach Hamburg nahm.
Erwähnte ich schon, dass Coffee derzeit läufig ist?
Das Ergebnis ist Hund hoch Zwei. (wo ist hier nur die kleine hochgestellte 2?)
Egal ...
TomTom lotste mich mitten nach Hamburg und ich musste nur noch einen Parkplatz suchen.
Nach 2 Jahren Dorf bin ich es doch schon wieder arg gewöhnt, einfach vor dem Haus zu parken, dass ich auch betreten möchte ... Rückwärts in eine nahezu legale, dafür enge Lücke einparken ist nicht einfach, wenn ein Hund sich persönlich davon angesprochen fühlt und begeistert im Kofferraum herumtobt, weil Frauchen sich zu ihr herumdreht. Wenn der Hund dann noch begeistert bellt und auch Leute auf dem Bürgersteig zugucken, wie man einparkt, wird es nahezu stressig ...
Danach schnappte ich mir die Laptop-Tasche, meine Handtasche und meinen Hund und ging eine belebte Straße lang zum Computerladen.
Zwischendurch fand Coffee 200 Stellen, an denen dringend geschnüffelt werden musste, 200 Stellen, an denen sie kurze "suche Rüden!"-Botschaften hinterließ und umgehend auch ca 200 Rüden.
Glücklicherweise allesamt in Handtaschengröße.
Kurz vor dem Laden fand sie dann auch noch eine Stelle, an die sie ihr Häufchen drückte.
Nie, nie, nie würde ich in der Stadt einen Hund halten, denn meine Hand in eine Kacki-Beutelchen zu stecken und das kapitale Kackilein meines Hundes aufzuklauben, wird nie meins sein ...
Mich ranzte auch direkt ein Passant an, wie ich meinen Hund auf den Bürgersteig kacken lassen könnte. Ich erwiderte, dass ich leider keinen Korken mehr hätte und wedelte mit meinem Ikea-Kacki-Beutelchen. Vielleicht hätte ich nicht wedeln, sondern ihn Coffee unter den Hintern halten sollen?
Mich mit Laptop- und Handtasche zu bücken und einzusammeln, während Coffee mit entleertem Darm einen weiteren Handtaschen-Rüden entdeckte, war auch nicht einfach.
Kurz spielte ich mit dem Gedanken, das nun volle Beutelchen zwischen die fahrenden Autos zu schmeißen, denn es war auch weit und breit kein Mülleimer zu entdecken.
Ich sah spontan einen Briefkasten, einen Fahrradkorb, einige Briefkästen - und widerstand.
Auch dem Einkaufskorb der Dame vor mir und dem Rollator-Körbchen der Dame hinter mir.
Brav trug ich die Handtasche, die Laptop-Tasche und das Kacki-Beutelchen, zerrte meinen Hund an 200 weiteren interessanten Schnüffelplätzen vorbei und pflückte eine Beutelratte vom Hintern meiner Hündin. Die Beutelratte bellte.
Endlich war ich bei meinem Laden und gab meinen Laptop ab. Und das Kacki-Beutelchen.
DAS nenne ich mal Service ...
Und ich fragte, ob es in der Nähe so etwas wie einen Park gäbe in dem ich mit Hund die Wartestunden verbringen könnte.
Man wusste etwas Bessers: die ähm, Alster.
Ich weiß jetzt, dass es nicht Innen- und Außen-Alster, sondern Binnen- und Außen-Alster heißt, aber an welcher ich war, weiß ich nicht.
Egal. (mir jedenfalls)
Es war sonnig und ich fand ein Cafe direkt am Wasser.
Mit Tischen auf einem Steg - wunderschön.
Kurz darauf hatte ich einen Kaffee, saß auf Coffees Leine und schmökerte in meinem Buch.
Das Leben kann sooooo schön sein!
Oh no!
Ich habe diesen Mann vergessen!
Und dabei kann man so einen Mann gar nicht vergessen!
Also, zwischen dem Computerladen und dem Cafe lag noch ein Mann. Bzw er stand und brabbelte in sein Handy. Die Art Mann, die man aus der Armani-Reklame kennt. So die Art Mann, bei der man nicht weiß, modelt er noch oder ist er schon Millionär?
Die Art Mann, an der ich normalerweise vorbeigehe und hoffe, nicht zu stolpern und bäuchlings in einer Pfütze zu landen oder so ...
Ha! Ich kam an ihm vorbei, keine Pfütze in Sicht, kein Stolpern in Sicht, keine Peinlichkeit weit und breit?
Keine Sorge, ich hatte ja Coffee an der Leine und Coffee denkt in anderen Kategorien.
Im Gegensatz zu mir erkannte sie in dem Mann jemanden ihrer Kragenweite. Einen Seelenverwandten, den es würdig zu begrüßen galt.
Wie angewurzelt blieb sie stehen, rammte ihm die Nase in den Schritt und als er sich zu ihr herunterbeugte, schlabberte sie ihm die Zunge einmal quer durchs Gesicht.
Der Mann wimmelte seinen Telefonpartner ab: "vor mir steht ein Labby, um den muss ich mich jetzt kümmern!"
Ich stand auch da ... auf der anderen Seite der Leine ... und bekam keine Komplexe ... "ich trag nur die Melone" ...
"Oh biddu abba eine SüßeDüße SchnuffelWuffel ..."
Er war begeistert und flirtete ... nicht mit mir, aber immerhin ...
Ich überlegte, ob ich mein Buch raushole, während Coffee sich auf den Rücken schmiss, ihren Bauch zum Kraulen freigab und der Mann das Angebot annehmend in die Hocke ging.
"Oh biddu abba eine SüßeDüße SchnuffelWuffel ..."
Als mein Hund gründlichst durchgeknuddelt und der Mann gründlichst eingesandet und mit Hundehaaren aussah, erklärte er mir treuherzig, dass er auch mal einen Labby gehabt hätte und ... 7 Sätze Smalltalk mit einem schönen Mann.
Wirklich schön.
Doch ja, so ein Labby hat etwas für sich!
Haltet Euch fest: er war es auch, der mir das Cafe empfahl und er sagte doch tatsächlich, dass er jetzt leider keine Zeit hätte und guckte sehnsüchtig gen Cafe, bevor er sich von meinem Hund und dem Augenblick losriss.
Meine Güte! So nah war ich lange nicht an einem Flirt dran ...
Aber zurück ins Cafe:
ich saß auf dem unbehundeten Ende der Leine, las in meinem Roman und schlabberte meinen Kaffee weg. Friedvolle Szenen unter der Sonne. Friedvoll, bis der Herr am Nebentisch im Wasser eine Ente endteckte und ihr sein Brötchen ins Wasser warf.
Unter meinem Hintern machte es kurz *rupf*, und mit einem lauten *Platsch* sprang Coffee ins Wasser und rettete das Brötchen vor dem Ertrinken.
So lustig ...
Erwähnte ich, dass wir auf einem Steg saßen?
Mein Hund war leider unfähig, das Badeleiterchen zu benutzen.
Ich sagte "Pfoten weg von meinem Kaffee" und suchte nun einen Platz, an dem Coffee wieder aus dem Wasser klettern könnte. Am Ende des Steges war das Ufer mit einer steilen Mauer befestigt - keine Chance für Coffee - aber nach einer Weile kamen wir zu unbefestigtem Ufer und Coffee kam aus dem Wasser. Da sie tropfnass war, versuchte ich, noch ein wenig Abstand zu halten, bis sie sich geschüttelt hätte. Prompt sprach mich ein dunkelblau uniformierter Mann an, Hunde dürften hier nicht ohne Leine herumlaufen.
"Sie ist angeleint!", verteidigte ich mich, während Coffee begeistert näher kam (ein Mann! ein Mann!) und sich dann genau vor uns kräftig schüttelte. Ich fand das gut, dass der nette Mann zwischen uns stand!
Ich schnappte mir zuvorkommend die Leine meines nicht mehr ganz so nassen Hundes und ging ganz schnell mit ihr ins Cafe zurück.
Coffee legte sich brav in die Sonne, ich knotete ihre Leine am Tisch fest (der fest im Boden verschraubt war - ich habe nachgesehen) und widmete mich wieder meinem Buch und meinem Kaffee, während Coffee begann, dass gerettete Brötchen zu verspeisen, das sie nicht aus dem Maul gelassen hatte.
"Eigentlich war das für die Enten!", meinte nun der Brötchenwerfer.
"Sie schmeißen aber jetzt nicht noch eins rein?!", drohte ich. Doch ja, ich drohte, denn was weiß ich, wie stabil so eine durchweichte Leine so ist ...
Und es wirkte: man sah von weiteren Brötchenwürfen ab ...
Ach ja, ein schöner Tag mit Coffee in der Stadt.
Das müssen wir unbedingt wieder machen.
Nächstes Jahr oder Jahrzehnt oder so ...

Kommentare:

  1. tolle geschichte! und eine friedliche coffee hast du. mein ebenfalls verfressener sunny hätte in der situation sicher die ente gerettet ;o)

    grüße aus dem endlich sonnigen süden
    claudia

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  2. Hach, danke!
    Was hab ich jetzt gelacht, das hat gut getan.

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  3. ooohh.. wie schön!! ich will auch einen flirtenden, charmanten hund!! ich krieg NIEMALS einen mit DIESEM mann... *seufz*

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