Sonntag, 1. März 2009

Sing bitte nie im Bass für mich ...

Lustig, wenn man nach zig Jahren plötzlich Worte für ein altes Unbehagen findet.
Ich habe mich jahrelang schlicht verarscht gefühlt, als wäre ich wie eine Ratte immer und immer wieder in den Gang gelaufen, an dessen Ende kein Käse, sondern ein Stromschlag wartete.
Ich habe jetzt endlich begriffen, was jemand, der eigentlich immer tut, worum man ihn bittet (oder was man vorschlägt) und einem eigentlich auch immer antwortet, was man hören möchte eigentlich verweigert: Nähe.
Bisher hat mich der Satz "was willst du nur, ich tu doch alles - nie bist du zufrieden" immer todsicher wieder in die Irre geführt, aber jetzt weiß ich, dass ich meiner Unzufriedenheit trauen kann. Ich möchte nicht, dass jemand dies und das tut, sondern ich möchte, dass wir zusammen tun, was uns gut tut.
Ich merke, dass ich es mir leiste, mich nicht mehr auf Menschen einzulassen, die nur körperlich anwesend sind und alles tun ...
Selbst zu dem Preis, viel und oft allein zu sein, gehe ich mittlerweile allem und jedem nachhaltig aus dem Weg, bei dem ich keinen Einklang zwischen Worten, Taten, Blicken und meinem Empfinden spüre.
Es reicht mir nicht mehr, wenn jemand meinen Kaffee trinkt - ich möchte spüren, dass er jetzt gerade nirgendwo anders sein möchte und sonst trinke ich diesen Kaffee nämlich lieber selbst :)

Kommentare:

  1. Carola, wenn ich merke, dass jemand zwar mit mir zusammen sitzt, aber lieber immer wieder auf sein Handy schaut, ob sich da etwas tut - dann bitte ich darum, das wegzubringen oder mit dem Handy zu gehen.
    Ich denke, das geht in die gleiche Richtung? Auch telefonieren und im Hintergrund am Computer tippen.....

    Ich mache das nicht mehr mit. Besuch bekomme ich seitdem weniger, aber wenn, dann macht es mehr Freude.

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  2. dieses "was willst du denn?? ich tu doch alles!!" ist auch für mich jahrelang lebensbegleitend gewesen... für mich heisst das, dass die verantwortung für eine miese situation oder eine miese stimmung mir untergeschoben werden soll, nur, weil ich sich eben als nicht zufriedenstellend empfinde. in wirklichkeit ist sich derjenige, der diesen satz sagt, durchaus bewusst, dass er einen grund liefert, warum ich mich unglücklich fühle. er möchte meist nur einfach nix an seiner bequemen haltung ändern. es ist eben einfacher, wenn ich das "schlechte gewissen" habe.

    die frage ist, wie wichtig du für diesen menschen bist. und wie selbstkritisch dieser sein kann und möchte. denn aufmerksamkeit/zuneigung/liebe sind freiwillige gaben, die voraussetzen, dass man sich voll und ganz auf den anderen einlässt. auch, wenn manchmal nicht im gleichen mass zurückgeschenkt wird. dann entsteht oft dieses missempfinden.

    meines erachtens ist es richtig, diesem missempfinden worte zu verleihen.

    offenbar machst du zur zeit eine wandlung durch. und diese reflektion und die anschliessende konsequenz wird dir (nach einer schmerzhaften phase des erkennens...) sicher gut tun.

    liebe grüsse, niko

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  3. Da hat Dich jemand am ausgestreckten Arm verhungern lassen.

    Brigitte

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